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Vom ENDSPIEL um den BEZIRKS-POKAL der FRAUEN aus PRIESTEWITZ berichtet

Mit Katja Grabke, Simone Werner und Sandra Marks (von links) kümmern sich gleich drei Großnaundorferinnen in dieser Szene um Traktor-Angreiferin Christin Werner, die später den 5:3-Endstand für ihren Farben besorgte.


FINALE BFV-POKAL (F): Traktor Priestewitz vs. SG Großnaundorf 5:3 n.V. (1:2/3:3/5:3)

(sa-ex) Nein, eine glückliche Beziehung wird das zwischen der SG Großnaundorf und unserem Medium nicht mehr, auch nicht kurz vor unserem "Ableben". Denn im Gegensatz zu einigen boshaft veranlagten Kickern des SV Haselbachtal wurde uns im fernen Priestewitz von Akteuren des neuen Kreis-Champions glaubhaft versichert, dass die beste Internet-Gazette im Umkreis von vielen See-Meilen durchaus intensiv studiert wird. "Gestern haben wir gewonnen ... weil du zum Glück nicht da warst", hieß es da in Anspielung auf unsere Bemerkungen am Rande des in der Tat mäßigen 1:1-Remis gegen Straßgräbchen, und: "Deine Anwesenheit erzeugt zuviel Druck." Das ist zwar so nicht richtig, und falls doch, dann keineswegs beabsichtigt, belegt aber andererseits unsere Ausnahmestellung im bundesdeutschen Medienwesen. Wenn die Dresdner Redakteure ihre Faulheit einmal pro Woche überwinden und in Dresdner Sportstätten aufkreuzen (meistens nur in einer), verkümmern sie zu Handlangern des schlechten Geschmacks. Ein wirklich guter Journalist hat andere Funktionen, wacht besser als jeder Polizist über Ordnung und Fairness neben und natürlich auch auf dem Platz. Das kann hier und dort - zumal in der kriminellen Welt, in der wir leben, und die den Sport nicht ausnimmt - zu Druck führen. Aber das Positive einer elitären Fachkraft sollte halt überwiegen ...

Nun denn, hat's also auch die Großnaundorfer Damen-Truppe erwischt. Vermutlich wird auf der Heim-Reise der beiden überfüllten Busse auch diese uneingeplante Final-Pleite dem armen Schwein von Reporter in die Schuhe geschoben worden sein - es wäre nicht das erste Vorkommnis dieser Art. Falls es da noch Gesprächs-Bedarf gab; ein Großteil des prächtigen Anhangs litt schon während der Auseinandersetzung unter erheblichen Konditions-Schwächen - Kunststück, hatte doch die Männer-Erste am Tag zuvor nochmals ausgiebig die Kamenzer Kreis-Meisterschaft gefeiert. Und das fürwahr nicht nur bis zum Eintreffen des "Sandmännchens" um 18.55 Uhr MEZ ... Wir wissen selbstredend nicht, ob auch einige der Damen der Sport-Gemeinschaft am Umtrunk teilgenommen haben - bei einem Akribiker, der Coach Uwe Trautmann nunmal ist, sollte solcherlei gerstiges, pardon, garstiges Gedankengut eigentlich rigoros auszuschließen sein. Theoretisch. Praktisch machten einige seiner Spielerinnen im Verlauf des Kräfte-zehrenden Matches durchaus den Eindruck, dass nach hinten heraus etliche "Körner" fehlten. Dennoch ist auch dies keine halb so glaubwürdige Erklärung für das Abschenken des Doubles an die "Himmel-Blauen" des SV Traktor: Der frisch gekürte Bezirks-Champion vom Keulenberg hatte Partie und Gegner eine geschlagene Stunde lang bestens im Griff, machte jedoch aus einer Fülle exzellenter Möglichkeiten schlichtweg zu wenig und wurde von einem leidenschaftlich mitfightenden Gastgeber schließlich überrollt, ohne dass dies nötig-gewesen wäre.

Das Gefühl einer Niederlage kannte die Grünhemden nämlich seit Mitte September des vergangenen Jahres nicht mehr; damals wurde beim SV Reichenbach im Görlitzer Umland mit 3:6 verloren. Den Rest der Saison setzte es Sieg auf Sieg, sogar - und völlig verblüffend - beim direkten Meisterschafts-Konkurrenten Fortuna Rähnitz II (2:1 am 14. März). Dessen ungeachtet sollte genügend Respekt vor der Mannschaft Marcel Naumanns vorhanden gewesen sein, da sie die Reserve des Regional-Ligisten im Mai ebenfalls mit 3:0 aus der schmucken "Sportplatz-Anlage" mit Blick hinüber nach Großenhain fegte, und dieses Kunststück auch schon im Pokal-Viertelfinale zustandegebracht hatte, Anfang November mittels eines 3:2. "Von ohne" war und ist der Meisterschafts-Dritte also keineswegs. Trotz alledem hatte sich der Gast den späten Leistungs-Abfall einzig und allein selbst zuzuschreiben.

Großnaundorf begann in der gewohnt gefährlichen Formation: Nadine Bethke kam von der rechten Mittelfeld-Bahn und unterstützte auf diese Weise das stürmende Duo Nancy Peschel/Nicole Berndt. Das zeitigte alsbald den gewünschten Erfolg; bereits in der 4. Minute hatte Bethke das 0:1 auf den Füßen, wurde jedoch in letzter Sekunde von Priestewitzer Abwehr-Beinen geblockt. Und keine 240 Sekunden später wackelte das Netz hinter Yvonne Scheil, weil Bethkes diagonales Zuspiel Peschel erreichte, die schneller als Cathrin Wolf war und trocken einschoss (8. min). In diesem Selbstverständnis ging es gleich weiter, als Anja Retschke auf ihrer linken Seite marschierte und den wuchtigen Abschluss suchte - Scheil hielt (10. min) und zeigte damit die erste von endlos vielen Paraden, die noch folgen sollten. Der SV Traktor kam in dieser Anfangs-Phase so gut wie nie in die Nähe des von Franziska Creutz gehüteten SGG-Gehäuses; Stammkeeperin Vicky Synnatzschke stand wegen einer Hand-Blessur nur für den Notfall zur Verfügung. Ein erstes Lebens-Zeichen war ein Freistoß Maria Feners, der indes kein Problem für Creutz darstellte (16. min).

Ansonsten aber dominierten die Ladys in Grün-Schwarz, und wiederum Bethke verpasste nach toller Finte gegen Abwehr-Chefin Susan Kühn das beruhigende 0:2, weil sie das Runde aus völlig freier halbrechter Lage zentimetrig neben statt in das Tor schob (22. min) - ein Frevel, der sich noch rächen sollte. Zwar gab es kurz vor dem Pausen-Tee die Aufstockung des Resultats, aber dies nach einem eher weniger berauschenden Abschnitt, in welchem sich das Geschehen mehrheitlich zwischen den Strafräumen abgespielt hatte. In der 45. Minute schließlich fanden sich die beiden SGG-Rothharigen zum Duett: Katharina Steude bediente Peschel, und die nutzte auch den zweiten Vorteil gegenüber Wolf konsequent und mit viel Kaltschnäuzigkeit. Gar nicht clever jedoch war, diesen Abstand nicht mit in die viertelstündige Rast genommen zu haben. Priestewitz kam aus dem blanken Nirwana zum Anschluss, als Creutz einen Freistoß Feners aus halbrechter Position nicht festhielt und Sylvia Wildner abstaubend zur Stelle war (45.+ 2 min). Was für die große Anhänger-Schar aus dem Kamenzer Landkreis nur als Schönheits-Fehler einherkam, sollte dem vermeintlichen Außenseiter - der bis dahin tatsächlich wenig Konstruktives zu bieten hatte - einen ungeahnten Motivations-Schub verleihen.

Man kann über Naumanns Taktik letztendlich nur spekulieren. Den Gegner machen lassen und im Schlussgang zuschlagen? So oder ähnlich lief das Match um Punkte 14 Tage zuvor an exakt gleicher Stätte ab - Großnaundorf führte 3:1, bis der Gastgeber zur Aufholjagd blies und ein Remis rettete. Allerdings ging es für beide Vertretungen da wirklich nur noch "um die Ananas", obgleich der Cup-"showdown" in den Hinterköpfen mitgetickt haben sollte. Die Parallelen jedenfalls waren ungewöhnlich. Trautmann hatte die Seinigen wohl auf ein rasches 3:1 getrimmt, doch dem SGG-Sturmlauf nach Wiederanpfiff stellte sich vornehmlich eine Weiblichkeit entgegen: Yvonne Scheil flog und flog und flog, dass den Gästinnen das kalte Grausen kam. Wir haben sicher so manche Partie im regionalen Umfeld gesehen, aber seltenst eine so vorzügliche Torfrau-Leistung - die 26-Jährige wird nach hinten heraus den größten Anteil am Triumph des SV Traktor haben. Einmal freilich musste sie noch hinter sich greifen. Da schien das Gröbste eigentlich überstanden, hatten die Hausherrinnen selber zwei erste sehr gute Chancen durch die Mittelfeld-Fleißbiene Lydia Nedo (51. min) sowie Angreiferin Christin Werner (57. min) vergeben, weil auch Creutz ihr Handwerk verstand. Und als Retschke den Ball eroberte und Bethke für deren obligaten Treffer servierte (63. min), galt das nicht nur für die fröhlichen Zuschauer aus dem Königsbrücker wie Pulsnitzer Umland als Vorentscheidung.

Wie schon beim 0:2 hielt die Freude nicht lange vor: Infolge einer Ecke von rechts leistete sich Creutz einen Lapsus, und als Wildner diesen ausnutzen wollte, wurde sie Strafstoß-würdig zu Boden gezerrt - Kühn verwandelte flach und präzise (68. min). Und weil sich niemand für die jetzt richtig aufdrehende 39-Jährige zuständig fühlte, legte Wildner per Distanz-Aufsetzer das 3:3 nach (70. min). Großnaundorf geschockt, aber mit weiteren Gelegenheiten, die Verlängerung zu verhindern. Einen 22 Meter-"Hammer" von Kapitänin Katja Grabke (83. min) parierte Scheil ebenso bravourös wie den Versuch der über rechts frei auf sie zusteuernden Bethke, die im Nachsezten zudem den Außenpfosten traf (90.+ 2 min) - es war nicht der Nachmittag der Torjägerin. So kam die Verlängerung, und Traktors geschicktes Warten auf Standards, weil selbige die größte Gefahr versprachen. In der 98. Minute war es soweit; Feners Eckball segelte auf Wildners Haupt und von dort ins Priestewitzer Glück. Und weil der Meister irgendwie stehend K.o. wirkte, gab's noch das 5:3 obendrauf: Wieder - und damit zum fünften Male - war Wildner beteiligt, diesmal durch geschickte Ball-Behauptung gegenüber Grabke. Dann folgte ein kluger Pass in die "Nahtstelle" der Vierer-Kette, und Werner besiegelte die Angelegenheit noch vor dem allerletzten Seitenwechsel (105.+ 1 min).

Zwar gab es betretene Mienen bei der Sieger-Ehrung, aber die sollten sich in den Folge-Stunden verflüchtigt haben - immerhin geht eine sensationelle Saison für die Fußball-Abteilung der früher nur durch ihre Tischtennis-Könner berühmten Gemeinde mit ihren gerade einmal 1030 Einwohnern zur Neige. Da muss eine in der Verlängerung erlittene Niederlage kaum als Katastrophe gewertet werden, und da muss die Schuld gewiss nicht beim Referee gesucht werden, wie in anderen Publikationen zu lesen; Thomas Brunner machte wenig falsch, und auch den Elfer darf man geben. Priestewitz hatte in der kollektiven Breite sogar weniger zu bieten als die unterlegene Crew, aber es durfte sich auf ein Trio großartiger Einzel-Spielerinnen stützen, die den Rest überstrahlten. Dazu gehörte neben Routinier Wildner und der klasse Keeperin Scheil vor allen Dingen auch Nedo, die - unauffällig zwar - ein gewaltiges Pensum absolvierte. Es war ein gutes und sehenswertes Finale, und das bleibt als angenehmste Erinnerung an die letzte Veranstaltung unter Schirmherrschaft des scheidenden Bezirks-Verbandes. Dass es in den neuen Strukturen in fragilen Punkten wie der Vergabe von Endspielen oder sonstigen Punkte-Mauscheleien besser wird, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden. Da haben die Großnaundorfer irgendwie Recht: Wir erzeugen zuviel Druck, und sind deshalb in Bälde "w" wie weg ...

Traktor: Y. Scheil - S. Kühn, D. Hofmann, C. Wolf - L. Nedo - S. Wildner, M. Fener, N. Wenzel, S. Stittrich (ab 80. min A. Uecker) - C. Werner (ab 106. min D. Kopetzky), C. Murawksi (ab 89. min A. Skrypalle)
SGG: F. Creutz - K. Grabke, A. Günzel (ab 75. min S. Werner), S. Marks, A. Rentsch (ab 60. min A. Lehmann) - K. Steude, K. Pollack, A. Reschke, N. Bethke - N. Peschel, N. Berndt

Schiedsrichter: Thomas Brunner (Dynamo Dresden) - SA-EX meint: Ordentlicher Leiter eines gewiss nicht einfachen Clinches, viele Beschwerden des großen Großnaundorfer Anhangs inklusive. Dessen Sicht aber schien ohnehin arg getrübt - prinzipiell machte der Dynamo bis auf ein paar kleine und daher unbedeutende Fehlerchen seine Sache gut.
Zuschauer: 342 in der "Sportplatz-Anlage" zu Priestewitz
Torfolge: 0:1, 0:2 Peschel (8./45. Minute), 1:2 Wildner (45.+ 2), 1:3 Bethke (63.), 2:3 Kühn (FE/68.), 3:3, 4:3 Wildner (70./98.), 5:3 C. Werner (105.+ 1)


Zwei der wichtigsten Säulen beim neuen Pokal-Sieger des Bezirkes: Die an allen fünf Treffern beteiligte Kapitänin Sylvia Wildner sowie Torfrau Yvonne Scheil. (Fotos dieser Seite: SA-EX/F.H.)













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