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+++ SPIEFILM-TIPSS für das TV-PROGRAMM an WEIHNACHTEN 2008 +++

Da war an Bollywood noch nicht wirklich zu denken: Der Inder Sabu in >>Das Dschungelbuch<< von 1942.


SPIELFILM-HIGHLIGHTS im WEIHNACHTS-PROGRAMM 2008 (begrenzte Auswahl)


HEILIGABEND - 24. Dezember

Beginnen wollen wir unseren Streifzug mit einem Klssikon schlechthin: 1942, als der II. Weltkrieg schon tobte, entschlossen sich ALEXANDER KORDA FILMS Inc. zur Adaption des Rudyard Kipling-Romans Das Dschungelbuch (8.20 Uhr, Kabel 1). Und auch wenn die genannte Gesellschaft englischen Ursprungs war, so musste natürlich im fernen Kalifornien (Studio-Aufnahmen) sowie in Indien gedreht und das Ganze mit dem Etikett eines US-Produktion versehen werden. Dennoch hat das in prallstes Technicolor getauchte Abenteuer nichts von seiner Faszination eingebüßt; der Kinder-Star Sabu (1924-1963) spielt Mowgli, den von Wölfen aufgezogenen Knaben, der vor dem Tiger Schir Khan fliehen musste. Bekannte Namen begleiteten die märchenhafte Unternehmung: Joseph Calleia (Wem die Stunde schlägt/1897-1975) gibt den Erzähler Buldeo, John Qualen (Sein Mädchen für besondere Fälle/1899-1987) einen Friseur; an der Kamera stand u.a. Lee Garmes (Land der Pharaonen/1898-1978), die usik stammt vom großen Miklós Rózsa (Ben Hur/1907-1995) und die Regie des zweiten Stabes, also der "second unit" hatte André De Toth übernommen, ein versierter Western- und Horror-Spezialist (Zwischen zwei Feuern/1912-2002). Alles Personal, das zum Teil längst nicht mehr lebt. Und dennoch schon damals wusste, wie man großartiges Kino macht. Das gilt natürlich auch für die beiden Korda-Brüder Alexander (hier nur Produzent/1893-1956) und Zoltan (Regie/1895-1961), deren Geburtsort den stolzen Namen Pusztatúrpásztó trägt. Übrigens planen britische TV-Macher nach allerlei Zeichtrick-Versionen des Kinder-Bestsellers für 2009/10 wieder eine Neuverfilmung mit echten Darstellern. + + + Wer es hingegen Western-lustig mag und außerdem nicht den Sender wechseln will, dem sei Cat Ballou - Hängen sollst du in Wyoming (10.10 Uhr, Kabel) ans Herz gelegt; die Klamotte mit dem garstigen Hintergrund zählt auch nach langen Jahrzehnten noch immer zum Besten, was Klamauk unterm Cowoboy-Hut anbelangt. Für diesen Spaß sorgt in erster Linie Lee Marvin als von Lehrerin Jane Fonda angeheuertes Revolver-"Wunder" Kid Sheleen, der sich jedoch als saufendes Wrack entpuppt. Erst als die Beschützung von Miss Fondas Vater misslingt, erwacht der Trunkenbold langsam zu neuem Leben, zumal es mit seinem gegenüber Tim "Silbernase" Strawn noch eine andere Bewandnis hat ... Der heute 81-jährige Eliott Silverstein inszenierte diesen Gaudi 1965 als Leinwand-Debüt, nachdem er zuvor beim Fernsehen beschäftigt gewesen war - es sollte sein größter Erfolg bleiben. Stubby Kaye, der einen der beiden die Story musikalisch umrahmenden Bänkelsänger gibt (der andere ist Nat "King" Cole), wäre im November 90 Jahre alt geworden. + + + Henry Fonda in einer Komödie - das kann eigentlich nicht gutgehen. Spaß-Regisseur Melville Shavelson (1917-2007) schaffte es doch, und zwar mit Deine, meine, unsere (12.35 Uhr, Tele 5), wobei dem Ganzen die leicht Haar-sträubende Story zugrundeliegt, dass ein Marine-Witwer mit zehn Kindern (der Mann kann nicht sehr oft auf See gewesen sein) eine Witwe mit acht Kindern heiratet. Klaustrophobische Probleme müssen bewältigt werden: Zum Beispiel das Anfertigen von 18 Lunch-Paketen für die tägliche "Mission" Schule ... In einer weiteren Hauptrolle neben Fonda (1905-1982) und Lucille Ball (1911-1989) ist der vor wenigen Tagen verstorbene Van Johnson als schnittiger Marine-Vizeleutnant zu sehen. Gedreht wurde u.a. im kalifornischen Alameda, eine heute rund 72000 Einwohner zählende Stadt direkt an der San Francisco Bay. +++ Auch hier behalten wir mal kurz den Sender bei und blicken gen Nachmittag auf die kanadische Komödie C.R.A.Z.Y. - Verrücktes Leben (14.55 Uhr, Tele 5). Darin wird eine merkwürdige Vater-Sohn-Liebe beschrieben, die den Sprössling Zac (Marc-André Grondin) in den Mittelpunkt rückt: Als einer von fünf Söhnen genießt er die besondere Zuneigung seines Dads Gervais (Michel Coté), doch die Entdeckung seiner Homosexualität führt zu einer schweren Belastung dieses harmonischen Verhältnisses. Das Ganze wird mit sehr viel Berühmtheiten des Musik-Business garniert - so kommen derart unterschiedliche Stil-Richtungen wie Pop (via Pink Floyd, Rolling Stones), Country (Patsy Cline) und Chanson (Charles Aznavour im Duett mit Michel Coté) zu Gehör; kein Wunder, dass allein die musikalischen Rechte rund ein Zehntel des Gesamt-Budgets verschlangen. + + + Das Geld bei Die Legende von Pinocchio (20.15 Uhr, Kabel 1) - immerhin stolze 25 Mio. Dollar - wurde hingegen anderweitig benötigt: Coneheads-Regisseur Steve Barron ließ sich auch für dieses Fantasy-Musical in britisch-französisch-deutscher Co-Produktion eine Menge einfallen und inszenierte seine Puppen so grandios, dass sie fast wie Menschen wirken. Meister Geppetto nämlich hatte aus lauter Einsamkeit seinen Freund Pinocchio geschnitzt. Doch das Schicksal trennt die Beiden, und die sehr begabte Marionette landet bei einem reichlich Ruch-losen Theater-Direktor (Udo Kier). Der Rest bis zum glücklichen Ende ist Märchen pur und somit ein TV-Volltreffer am festlichen Bescherungs-Abend. Als Geppetto reüssiert der heute 77-jährige Hollywood-Mime Martin Landau, besonders erinnerlich - weil auch OSCAR-gekrönt - als Bela Lugosi aus Tim Burtons Meisterstreich Ed Wood von 1994. + + + Wie immer gibt es auch die unchristlichen "Querschläger"; diesmal überrascht Pro 7 mit dem Kriegs-Abenteuer U-571 - Mission im Atlantik (23.45 Uhr), das zu allem Überfluss nach seiner Premiere zu amerikanisch-britischen Verstimmungen gesorgt hatte. Denn der darin geschilderte Klau der legendären Chiffrier-Maschine "Enigma M3" der Nazis durch ein amerikanisches U-Boot anno 1942 war in Wirklichkeit schon ein Jahr eher passiert - und zwar durch Engländer. Egal: Regisseur Jonathan Mostow dachte bei der 62 Mio.-Dollar-Produktion wohl auch ein bisschen an Das Boot, besetzte er doch wie einst Petersen den aufstrebenden Herbert Grönemeyer hier den ersten Maschinisten mit Edel-Rocker Jon Bon Jovi; weitere wichtige Parts gingen an Matthew McConaughey, Harvey Keitel und auch Thomas Kretschmann. Zwar gab es für den Aufwand sogar einen Technik-OSCAR (Ton-Schnitt), doch hält das Action-Manöver - nicht zuletzt wegen des historischen Schwindels (so etwas durfte nur John Ford ungestraft!) - nicht mit dem deutschen Unterwasser-Thriller mit. + + + Und zum Gute-Nacht-Treiben noch etwas Tier-Kuscheliges der Orangenen vom ZDF: Gefahr für Red Fury (1.25 Uhr) ist noch einmal romantisches Wild-West-Kino aus amerikanischer Produktion mit kanadischer Unterstützung. "Red Fury" ist nun einmal ein beliebter Pferde-Name jenseits des Atlantiks, und das Indianer-Findelkind Frankie (Juan Gonzalez) bekommt einen solchen Hengst geschenkt, bereitet ihn akkurat auf sein erstes Rennen vor und kriegt es mit der Missgunst eines reichen Farmers zu tun ... Aus der unbekannten Besetzung (Gonzales zum Beispiel hat keine einzige andere Rolle aufzuweisen) ragt Alan Hale jr. (1921-1990) als Doc heraus; er war der Sohn des legendären WARNER BROS.-Haudegen Alan Hale, der u.a. alle Filme Errol Flynns als sogenannter "sidekick" begleitete.


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1. FEIERTAG - 25. Dezember

Den Begriff VIP ("Very Important Person" = "Sehr, sehr wichtiges Menschlein") gab es lange vor den neuzeitlichen Backstage-Partys aller musikalischer und sportlicher Coleur; Anthony Asquith machte aus dieser "Ziel-Gruppe" 1963 seinen Episoden-Streifen The V.I.P.s, der deutsche Verleih daraus wiederum etwas abschwächend Hotel International (11.05 Uhr, 3sat). Weil der Londoner Nebel - was sonst? - den Abflug eines Linienfliegers verzögert, müssen die Passagiere in einem Hotel übernachten. So auch die attraktive Frances Andros, die vorhat, ihren Gatten Paul zu verlassen und in die Arme des windigen Playboys Marc Champselle (Louis Jordan) zu fliehen. Ein australischer Geschäftsmann (Rod Taylor) in Schwierigkeiten erhält unerwartete Hilfe von seiner Sekretärin (Maggie Smith), und Film-Mogul Max Buba (Orson Welles/1915-1985) müsste aus Gründen der Einkommens-Steuer eigentlich flinke Füße machen ... Mag Welles auch eine gewichtige Prominenten-Größe gewesen sein - er war nichts im Vergleich zum Ehepaar Andros, das von der unwiderstehlichen Kombination Richard Burton/Liz Taylor gespielt wurde. Die heute 76-jährige Elizabeth Taylor hatte damals gerade den gigantischen Stress mit der Cleopatra-Rolle hinter sich gebracht, während der Waliser Burton (1925-1984) nicht nur in den Flughafen-Bars dieses britischen Melodrams soff. Beide turtelten darüber hinaus miteinander, obwohl sie noch mit anderen Partnern verheiratet waren - ein riesiger Skandal für die in ihren wankenden Moral-Vorstellungen erstarrte Öffentlichkeit einschließlich der Katholischen Kirche. Erst 1964 heiratete das ungleiche Paar ein erstes Mal; die Scheidung gab's zehn Jahre später. Im Oktober 1975 führten sich Taylor und Burton ein zweites Mal an den Trau-Altar, diesmal aber nur für elf Monate. Sie waren trotz zahlreicher Vorgänger das erste richtig knallige Skandal-Pärchen der glamourösen Szene und beeinflussten die sexuelle Revolution der Sechziger nachhaltig. Auch deshalb guckt man sich Hotel International ungeachtet allen Kitsches immer wieder vergnüglich an. + + + Einer der traurigsten Abschiede dieses sich neigenden Jahres war jener vom noch jungen Heath Ledger; 1999 hatte der Australier mit der Teenie-Komödie 10 Dinge, die ich an dir hasse (14.10 Uhr, Pro 7) sein Hollywood-Debüt gegeben. Ledger gibt in einer verschlüsselten Adaption von Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung" den Einzelgänger Patrick Verona, der den "Widerstand" von Kat Stratford alias Julia Stiles zu brechen gedenkt. Ledger kassierte dafür schlappe 100000 Dollar Gage - das nahm sich bescheiden aus gegenüber den $ 3 Millionen, die er nur zwei Jahre später für Ritter aus Leidenschaft bekam. Doch auch künstlerischer Ruhm wie speziell durch Brokeback Mountain (2005) machte den Jung-Star offenbar nicht glücklich; Heath Ledger starb am 22. Januar an einer "versehentlich eingenommenen Überdosis Verschreibungs-pflichtiger Arznei", wie es bei IMDb ebenso offiziell wie süffisant heißt. Mit solcherlei Wissen schaut man/frau sich selbst eine unbeschwerte Jungend-Klamotte mit ganz anderen Augen an. + + + Bevor er 2003 Kaliforniens "Governator" wurde, spielte der Österreich-stämmige Arnold Schwarzenegger in vielerlei Blödsinn und manchem Kitsch; wenn sich das Muskelpaket aus Alpen-Ländle jedoch durch familiäre Komödien schlängelte, war der Effekt meistens doppelt so hoch. So auch in der waschechten Weihnachts-Satire Versprochen ist versprochen (16.55 Uhr, VOX) aus dem Jahre 1996, worin er den Matrazen-Händler Howard Langston verkörpert, dessen Sohn Jamie (Jake Lloyd) sich einen "Turbo Man" auf den Gaben-Teller wünscht. Doch der vergessliche Dad macht sich erst kurz vor knapp an die Einlösung der beeideten Zusage - und findet diese angesagte Action-Figur nirgends. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, zumal Howards Gattin Liz (Rita Wilson) am heimischen Herd auch noch vom lüsternen Nachbar Ted Maltin (Phil Hartman) bebaggert wird ... Rita Wilson (52) war schon damals mit Tom Hanks verheiratet (und ist es bis heute); zurzeit steht sie neben John Travolta und Robin Williams für die Komödie Old Dogs vor den Kameras. + + + Manchmal könnte man meinen, dass die Streifen Walt Disneys irgendwie einem ganz anderen Universum entstammen - Zeichentrick im 21. Jahrhundert hat nichts mehr mit den beschwerlich zu malenden Abenteuern von Donald Duck, Schneewittchen oder Goofy gemeinsam. Dennoch haben die Neuzeit-Produktionen durchaus einen vergleichbaren Reiz; wenn die Story stimmt, freut es das Kinder-Publikum, und freut's das Kinder-Publikum, sind Fortsetzungen eine Selbstverständlichkeit. So geschehen bei Ice Age von 2002, dessen Nachläufer Ice Age 2 - Jetzt taut's 2006 in die Kinos kam, durch die Erderwärmungs-Debatten freilich einen leicht makabren Beigeschmack nicht abstreifen kann. Ökologie spielt aber im Bush-Amerika eine eher untergeordnete Rolle, so lange die Kino-Kasse klirrt. Und dafür sorgten Mammut Manny, Faultier Sid, Säbelzahn-Tiger Diego und Eichhörnchen Scrat auch dieses Mal. An der deutschen Synchronisation waren Otto Waalkes, Arne Elsholtz und Thomas Fritsch beteiligt. + + + Noch eines großartigen wiewohl 2007 leider verstorbenen Mimen gilt es zu gedenken: Ulrich Mühe spielte kurz vor dem Polit-Klassiker Das Leben der Anderen den Archälogie-Professor Nicolas Kramer in der TV-Produktion Das Geheimnis von St. Ambrose (22.50 Uhr, ZDF). Dieser Experte seines Fachs muss auf einem Kongress im schottischen Edinburgh konferieren, was seine Kinder Fanny (Elisa Schlott) und Julian (Ludwig Trepte) um die schönen Ferien zu bringen droht. Doch was für die Kids zunächst in Langeweile zu ersticken droht, entpuppt sich als echtes Abenteuer, worin sogar das legendäre Zauberschwert "Excalibur" aus der Artus-Sage einen Platz bekommt. Als Kinder-Betreuerin Kathleen Mc Queen: Desirée Nosbusch. Der schottische Stoff wurde mit deutschem Personal vor Ort im Land der Männer-Röcke und Dudelsäcke realisiert. Der in Grimma geborene Ulrich Mühe hatte am 22. Juli 2007 den Kampf gegen den Krebs verloren. + + + Tja, und dann hätten wir noch etwas zum Thema seichte Erotik: Femme Fatale (0.50 Uhr, Sat.1) klingt zwar fatal, aber ganz so schlimm ist's dann wohl doch nicht. Kunststück, heißt doch der Regisseur Brian De Palma, dessen besten Tage zum Zeitpunkt dieses schlüpfrigen Krimis (2002) freilich auch schon vorbei schienen. Rebecca Romijn-Stamos gibt eine meisterliche Diebin namens Laure Ash, die sich nach einem Diamanten-Coup während der Film-Festspiele von Cannes eine neue Identität zulegt. Pech nur, dass sie sieben Jahre später als Gattin des US-Botschafters in Frankreich von einem übereifrigen Paparazzo (Antonio Banderas) aufgespürt wird. Madame allerdings weiß sich zunächst zu wehren ... Romijn klingt holländisch, doch nur die Eltern haben ihre Wurzeln im Wohnwagen-Ländle - sie selbst ist Kalifornierin, die aber nach diesem De Palma-Streifen nichts Weltbewegendes gedreht hat; seit der Scheidung von John Stamos (2005) hat sie ihren hier noch verwendeten Doppelnamen wieder abgelegt.


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2. FEIERTAG - 26. Dezember

Dieser zweite Feiertag gilt allgemein schon wieder als Übergang ins "normale" TV-Spielfilm-Geschehen und soll deshalb weniger ausführlich behandelt werden; unbedingt hinweisen wollen wir jedoch aus traurigem aktuellen Anlass auf Wer die Nachtigall stört (7.45 Uhr, Tele 5 - auch 2.45 Uhr nachts) - Regisseur Robert Mulligan ist in der vergangenen Woche verstorben (siehe Titel-Seite). Alabama 1932: Die kleine und etwas burschiköse Jean-Louise (Mary Badham), genannt "Scout", lebt mit ihrem Bruder (Phillip Alford) und dem allein-erziehenden Vater Atticus Finch (Gregory Peck) - er ein Anwalt - in einer Kleinstadt in Alabama. Das unbeschwerte Dasein der Kinder, bereichert noch durch den seltsamen Nachbarn Arthur "Boo" Radley (Robert Duvall), bekommt einen schweren Riss, als Finch zum Pflicht-Verteidiger des Schwarzen Tom Robinson (Brook Peters) berufen wird, dem unterstellt wird, ein weißes Mädchen vergewaltigt zu haben. Obwohl dem klugen Juristen der lockere Beweis der Unschuld des Farmers gelingt, wird dieser von der weißen Jury schuldig gesprochen; Robinsons Flucht-Versuch endet kurz darauf tödlich. Aber der Vater des angeblichen Opfers - es hatte überhaupt keine Vergewaltigung gegeben - lauert den Kindern auf. Ausgerechnet der debile "Boo" ist zur rechten Zeit am rechten Ort ... Einer der schönsten Filme Amerikas überhaupt, und das gekonnte Produkt äußerst feingeistiger Filmemacher (neben Mulligan produzierte Alan J. Pakula). Der zugrundeliegende Roman der Autorin Harper Lee, veröffentlicht 1960, war mit dem begehrten PULITZER-PREIS ausgezeichnet worden; allerdings verstummten kritische Stimmen nie, wonach Tuman Capote wesentliche Elemente des Werkes mitgetragen habe - Lee jedenfalls hat danach nie wieder eine literarisches Werk veröffentlicht. Doch das ist nebensächlich. Mulligan fand großartige Darsteller zur Umsetzung des - für damalige Verhältnisse - brisanten Stoffes. Gregory Peck (Captain Ahab aus Moby Dick) gewann nach vier Nominierungen seinen ersten (und einzigen) OSCAR; Robert Duvall ("Boss" Spearman aus Open Range) gab als "Boo" sein beachtliches Leinwand-Debüt, und das damals schon 60-jährige Wild-West-Urgestein Paul Fix (Croupier Eddie aus Johnny Guitar) interpretierte den Richter Taylor. Viel Glück und Geschick bewies das Team auch mit der Auswahl der beiden Kinder, die wohl vor Ort gecastet worden waren und über keinerlei darstellerische Erfahrungen verfügten. Das Ergebnis ist dafür um so beachtlicher; speziell Mary Badham macht neben Welt-Star Peck eine hervorragende Figur. Sie und auch Phillip Alford probierten sich später ebenfalls noch gelegentlich vor Kameras, konnten aber keine Karriere starten. Der Streifen lässt sich nur schwer kategorisieren: Aufgrund jeglichen Mangels an dargestellter Gewalt könnte man ihn fast als Kinder-Film betrachten, allerdings steht wohl das Gerichts-Drama im Vordergrund. Wurde der Roman mit zahlreichen Verboten speziell an amerikanischen Schulen belegt (wo man sich u.a. an Wörtern wie "Nigger" störte), so gelangte die Screen-Adaption zu beachtlichem und verdientem Ruhm. Es blieb trotz mehrerer anderer guter Filme das absolute Meisterwerk Robert Mulligans. Die "Nachtigall" des deutschen Titels ist übrigens eine pure, wiewohl der poetischen Entschärfung dienende Erfindung - das originale To Kill a Mockingbird lautet nämlich übersetzt "Eine Spottdrossel töten".


Ein offenbar gelangweilter Richter Paul Fix, ein verängstigter Angeklagter Brook Peters, ein scharfsinniger Verteidiger Gregory Peck (von links) und jede Menge weiße Arroganz im Hintergrund - >>Wer die Nachtigall stört<< ist großartiges Kino, ebenso warmherzig wie mahnend. Ein Film übers Erwachsenwerden und zugleich Protest gegen jede Form von Rassismus. Wirklich phänomenales Kino kann mitunter sehr schlicht und einfach sein - wenn es von klugen Machern gemacht wird. Und der kürzlich verstorbenen Robert Mulligan zählte zu dieser Liga. (Fotos dieser Seite: Repro)













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