Sachsen-Express
+ + + DER BESTE JOURNALISMUS AUS DEM OSTEN + + +
 

++ Neu im Kino: Der 4-fache OSCAR-Gewinner "NO COUNTRY FOR OLD MEN" ++

No Country für scharfe Waffen-Gesetze: Josh Brolin (oben) und Javier Bardem im neuen Hit der Coen-Brüder.


Meinungen über OSCAR-Gewinner >>NO COUNTRY FOR OLD MEN<< - ein Presse-Spiegel

"Eine dicke Blut-Spur durchzieht den Film. Diese verrät Gnaden-los das verwundete Opfer und bringt den Killer auf die Spur. Der Killer ist in diesem Film ebenso kaltblütig wie grausam und mysteriös. Er ist die Gewalt, die außer Kontrolle geraten und nicht mehr einzudämmen ist. Noch bevor die Handlung beginnt, sinniert der alternde und desillusionierte Sheriff Bell (Tommy Lee Jones) aus dem Off über die Sinn-lose Gewalt, mit der er nicht mehr zurechtkommt. Dazu werden Arche-typische Bilder einer Gott-verlassenen Steppen-Landschaft im Westen von Texas gezeigt. Obwohl der Film in den achtziger Jahren spielt, beginnt er wie ein Western, indem auch das Gesetz vor der Gewalt resigniert. Llewellyn Moss (Josh Brolin), Vietnam-Veteran und Hobby-Jäger, trifft auf ein seltsames Szenario: Mitten in der kargen Landschaft steht ein Pickup-Truck, um welchen eine ganze Horde Männer, von Kugeln durchsiebt, tot daliegen. Nur ein Mann ist noch am Röcheln. Moss findet auf der Ladefläche des Lasters eine Lieferung Heroin und in einem Koffer zwei Millionen Dollar in Bar. Er nimmt das Geld an sich und macht sich aus dem Staub. (...) No Country for Old Men ist mit Abstand der Gewalt-tätigste Film von Joel und Ethan Coen (u.a. Fargo, The Man who wasn't there, O Brother, where Art Thou?). Trotzdem gleitet der Film nicht in eine Splatter-Orgie ab, sondern dient als Stilmittel des Thriller-Genres. Oft wird die Gewalt, typisch für die Coen-Brüder, mit schwarzem Humor inszeniert, so dass dies wie eine Verneigung vor Sam Peckinpah wirkt. Häufig werden Western-Mythen zitiert. Eine Sehnsucht nach einer Zeit, in der das Gesetz, verkörpert durch den gutmütigen Sheriff Bell, mehr Macht hatte."

(Markus Fritsch, "www.kino-zeit.de")


xoxoxoxoxoxoxoxox


"Das abrupte Ende mag zunächst verwirren, passt aber perfekt zur Kompromiss-losen Geschichte und der meisterhaft-nüchternen Ausführung des Streifens. Eine grandiose Verneigung vor den lakonischen Klassikern der großen Western-Ära mit modernen Mitteln."

(BILD)


xoxoxoxoxoxoxoxox


"Das war ein OSCAR hoch 3: Dreimal wurde No Country for Old Men für dieselbe künstlerische Leistung ausgezeichnet, denn Drehbuch, Regie und Film lassen sich in diesem Falle nicht voneinander trennen. Und um ein Haar wären die Coen Brothers unter ihrem Pseudonym Roderick Jaynes auch noch für den besten Schnitt geehrt worden. Und das für ein Pech-schwarzes Werk ohne die geringste Spur von Happy End - das als Kritiker-Liebling bisher moderate 60 Millionen Dollar eingespielt hat. Begünstigt durch die Umstände, wurden damit untypische, aber würdige Preisträger gekürt, die uns hier ihr stärkstes Stück seit Fargo und The Big Lebowski vorsetzen. (...) Nach Gesichts-losen Komödien wie Intolerable Cruelty und Ladykillers war zu befürchten, dass sich Joel und Ethan Coen den Gesetzen des erfolgreichen Durchschnitts untergeordnet hatten. Mit No Country for Old Men haben sie glücklicherweise wieder zu ihrer vitalen Kompromisslosigkeit zurückgefunden. Als Stilisten beherrschen sie eine erschreckend schöne Ökonomie des Erzählens: Kein schulmeisterliches Geschwafel, kein dramatisches Augenrollen, keine aufdringlichen Regie-Tricks, keine klebrige Film-Musik."

(Thomas Binotto, NEUE ZÜRCHER ZEITUNG/Schweiz)


xoxoxoxoxoxoxoxox


"Die Coens sind mit einem Rache-Akt zurückgekehrt, der sowohl ihren diversen Imitatoren als auch den bösen Zungen aufzeigt, wie großes amerikanisches Filmemachen aussieht, und sie haben korrigierende Verbesserungen gegenüber den Auswüchsen albern-schrulliger Komik erbracht, die ihre jüngsten Arbeiten beeinträchtigten."

(Peter Bradshow, THE GUARDIAN/England)


xoxoxoxoxoxoxoxox


"Woody Harrelson, Javier Bardem und Kelly MacDonald teilen sich weitere Hauptrollen in einer ausgesprochen amerikanischen Krimi-Geschichte, die Zeit-lose biblische Themen, angesiedelt im zeitgenössischen Südwesten, untersucht."

(Jason Buchanan, ALL MOVIE GUIDE)


xoxoxoxoxoxoxoxox


"Die Adaption hält sich getreu an die Roman-Vorlage; eine Reihe von Dialogen sind geradewegs von den Buch-Seiten übernommen, unverändert. Der Film handelt im Westen von Texas, nahe der mexikanischen Grenze. McCarthy (Autor der Vorlage/d. Red.) siedelte seine Geschichte im Jahr 1980 an, weil in jenem Jahr der mexikanische Drogen-Handel anfing, die texanischen Grenzregionen zu verunstalten. (...) Es ist nicht so sehr ein Genre-Film als ein Klagelied für ein ganzes Land, ein gewaltsamer Film über Gewalt."

(Paul Byrnes, THE SYDNEY MORNING HERALD/Australien)


xoxoxoxoxoxoxoxox


"Mr. Jones spielt Ed Tom Bell, einen der Welt überdrüssigen Sheriff der dritten Generation, dessen Gleichmut nur notdürftig seine Bestürzung über die Flut des Bösen verbergen kann, die die Welt durchdringt."

(A. O. Scott, THE NEW YORK TIMES/Amerika)


xoxoxoxoxoxoxoxox


"Schon lange nicht mehr wurde auf der Leinwand so lakonisch gemordet und gestorben. Gegen das Monster Chigurh (Bardem) mutet Hannibal Lecter wie ein Waisenknabe an. Als Vorlage diente Cormac McCarthys resignativ-düsterer Roman. Ein Blick wie in einen Abgrund - von verstörend bösartiger Faszination."

(Christina Krisch, KRONEN-ZEITUNG/Österreich)


xoxoxoxoxoxoxoxox


"Man kann mit den Mythen des Westens ja alles Mögliche machen, kann sie in Weihrauch tauchen, sie rekonstruieren, dekonstruieren oder auferstehen lassen, als sei nichts geschehen seit 1880. Die Coens machen etwas Anderes - sie lassen uns zuschauen, wie mit archaischer Wucht noch einmal um alles gekämpft wird, worum es immer ging, und sie zeigen uns Figuren, aus denen wurde, was sie sind, weil sie sich in dieser Landschaft herumtreiben, einer Landschaft, die 'hart zu den Leuten' ist, wie Sheriff Bell (Tommy Lee Jones) einmal sagt. Und die der Kameramann Roger Deakins erst in ruhigen Totalen, dann durch das Zielfernrohr eines Gewehrs genau in dieser Härte zeigt, abweisend und leer. Und zum ersten Mal hat man bei einem Film der Coens den Eindruck, dass es in ihm um etwas anderes geht als das Kino, seine Gesetzmäßigkeiten und seine Definitions-Macht, die Essenz an Erfahrung nämlich, die den Kino-Bildern einst vorausging. Man kann das düster nennen. Richtiger ist es zu sagen, dies ist der Beginn eines reifen Werks."

(Verena Lueken, FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG)


xoxoxoxoxoxoxoxox


"Die texanische Wüste ist eine der Arche-typischen Kino-Landschaften. Kaum ein großer Hollywood-Regisseur, der sich nicht hier verewigt hat. Dieses Land wurde erst der Natur abgerungen und später heldenhaft gegen die Mexikaner verteidigt. Mit dem Öl-Boom rückte dann die Zivilisations-Grenze näher. Doch die städtischen Ballungs-Zentren Dallas und Houston sind nicht, was das amerikanische 'heartland' ausmacht. Das Herz, das in Amerika schlägt, liegt weit draußen, wo der Mensch noch nicht seine Spuren hinterlassen hat. Wo die Welt nur Gestein, Staub und Himmel ist, an dem sich Wolken-Ungetüme unter bedrohlichem Grummeln zusammenschieben. Diesea rchaische Schönheit erweckt beim Betrachter unweigerlich eine Art Urvertrauen, das tröstliche Gefühl von Beständigkeit, dem man sich auch als Nicht-Amerikaner kaum entziehen kann. Es ist also kein Zufall, wenn sich in No Country for Old Men der erste Blick in die Ferne durch ein Zielfernrohr richtet. Bei den Coens hat sich das Verhältnis von Betrachter und Land grundlegend gewandelt."

(Andreas Busche, TAZ/Berlin)


xoxoxoxoxoxoxoxox
xoxoxoxoxoxoxoxox


F(reddy's) A(ngebrachter) K(ommentar): A western? Niemals!

Ich habe Bauchschmerzen. Nicht nur die realen, sondern auch gedankliche. No Country for Old Men ein Western? Nach allem, was zu lesen und an Trailern zu sehen war, ist das eine zutiefst fragwürdige Genre-Einstufung. Die Grenzen sind zwar schwindlig schwimmend, und dies schon, seit es Kino gibt. Aber trotzdem. Nur wegen ein paar Landschafts-Aufnahmen aus Giftspritzen-Ländle? Nach dieser brutalen Lesart wäre ja Wim Wenders' ebenso wunderschönes wie sensibles Road-Movie Paris, Texas eine Gänsefüßchen-Perde-Oper im John Ford-Format. Doch bei Ford gab es in all seinen vielen schönen "outdoors" weder Krankenhaus-Zimmer von ebenso blendender wie hygienischer Reinheit (man erinnere sich genüsslich an die medizinischen Einwürfe in Der letzte Befehl) noch "Pumpguns" oder gar Mörder mit einem Bolzenschuss-Spleen! Nee, Leute: Das funktioniert nicht. Irgendwo muss die Kirche auch Dorf bleiben, selbst wenn dieses Dorf Marfa heißt, im äußersten Südwesten von Texas liegt und trotz seiner rund 2100 Einwohner - weniger als Haselbachtal! - eine Stadt ist. Ich erwähne Marfa nur, weil die Coens dort gedreht haben.

Die Vergleiche mit Peckinpah gehen da eher, auch wenn Ethel und Joel Coen in dieser Hinsicht das Pech der Zu-Spät-Geborenen verfolgt. Was es über Amerika und Gewalt zu sagen gab, hat der "Picasso of Violence" schon längst erledigt. Andere auch, aber Peckinpah war doch der Beste. Einen OSCAR hat er dafür nie bekommen - die Schonungs-lose Offenheit, verpackt noch in gradionalste Bilder, hat man ihm eher übelgenommen - als er starb, nahm Amerika kaum Notiz davon. Heute, da seine düsteren Wahrheiten in Video-Clip-Qualität wiederholt werden, regnet es OSCARs? Das verstehe, wer sich jeden Tag einen Dreiviertel-Liter vom bestem Tennessee-Whiskey hinter die Binde kippt. Nüchtern geht das nicht.

Vielleicht ist es lediglich eine - oft genug im "Kodak Theatre" praktiziert - "Nachreiche"-Ehrung für den Kult-Klassiker Fargo (läuft übrigens am Freitag um 22.05 Uhr auf Tele 5), der 1996 "nur" als bestes Drehbuch belohnt wurde. Ich wage sogar zu behaupten, dass Old Country ... nicht einmal annähernd dem tiefen Hintersinn jenes Schnee-schwangeren (sorry!) Meisterwerkes das Wasser reichen kann. Wenn Amerikas Kunst-Verständnis des 21. Jahrhunderts nur noch für Baller-Orgien dieser jetzt geadelten Machart ausreicht, sagt das viel über den desolaten Zustand einer Nation. Irgendwo scheinen sich die beiden umtriebigen Geschwister aus Minnesota doch nur bei Peckinpahs Getaway und Oliver Stones Natural Born Killers bedient zu haben; wohl nicht ganz zufällig taucht NBK-Ikone Woody Harrelson auch hier wieder auf.

Um dies klarzustellen: Ich bin mir sicher, dass No Country for Old Men kein schlechtes Produkt ist, und halte auch sehr viel von den Coens, nicht zuletzt aufgrund ihres genialen Fargo-Streichs. Aber der mit vier Academy Awards dekorierte Gewalt-Thriller des Baujahres 2007 ist mit absolutistischer Sicherheit kein Western, auch kein Neo- oder gar Neo-Noir-Western! (Warum kam niemand der unzähligen Autoren auf die anscheinend viel, viel treffendere Bezeichnung Ballade bzw. Gangster-Ballade?) Und die Einstufung als bester Streifen eines gesamten hollywoodistischen Kino-Jahrgangs bereitet einfach nur Bauchschmerzen. Echte und ideelle ...


>>>>>>>>>>>>>> xxx <<<<<<<<<<<<


Weitere Film-Starts am 28. Februar


8 Blickwinkel (USA 2008/Thriller mit Dennis Quaid)

Ossi's Eleven (BR Deutschland 2008/Komödie von Oliver Mielke)

Michael Clayton (USA 2007/Thriller mit George Clooney & Tilda Swinton)

I'm Not There (USA 2007/Musik-Biopic über Bob Dylan, mit Cate Blanchett)

Der lange Weg ans Licht (BRD 2006/Doku über eine sächsische Hebamme)

Meine Frau, die Spartaner und ich (USA 2008/Parodie mit Carmen Electra)

Meine Mütter - Spurensuche in Riga (BRD 2007/Doku von Rosa von Praunheim)

Trip to Asia (BRD 2008/Doku über eine Asien-Tournee der Berliner Philharmoniker)


Noch ein bisschen OSCAR, weil's schon der 80. war: Lustiger Bild-Text einer australischen Zeitung zur schwangeren Schauspielerin links oben: "Cate Blanchett gripped two Oscar statuettes but had to give both away" (Blanchett funktionierte nur als Überreicherin); die Dame oben rechts belegt, dass man/frau keineswegs modisch gekleidet sein muss, um einen Kostüme-Award zu ergattern (Alexandra Byrne wurde für den >>Elizabeth<<-Film ausgezeichnet); und unten hat Tilda Swinton (Nebenrollen-OSCAR für >>Michael Clayton<<) kein Brett, sondern einen Goldzwerg vorm Kopf (alle Fotos dieser Seite: Repro).













  Login