|
|
+++ Zum 100. Geburtstag des Autor und Schauspielers HEINZ ERHARDT +++

"Guter Onkel": Heinz Erhardt in der 1960 uraufgeführten Komödie >>Der letzte Fußgänger<<. (Foto: sa-ex/TV)
GESCHICHTEN VOM "BLÄH-BOY" MIT DER ZIEMLICH WÄSSRIGEN BIOGRAPHIE: H. EHRHARDT
(sa-ex) Es gibt Leute, die haben zu nah am Wasser gebaut. (Jene, die öfters weinen.) Und es gibt Leute, die haben unheimlich viel mit Wasser zu tun. (Was nicht immer etwas mit Heulen zu tun haben muss, wie hernach festzustellen sein wird.) Heinz Erhardt - und der hatte nun wirklich nix mit Flennen am Hut - war so eine wässrige Erscheinung. Pardon, er war eine solche Personalie, die viel mehr mit Wasser zu tun hatte, als es die füllige Erscheinung und der "nicht-fischköppige" Akzent auch nur ansatzweise vermuten ließen. Riga zum Beispiel, die Stadt seiner Geburt, liegt am Meer. Naja, nicht ganz - die Rigaer Bucht ist ein bisschen vorgelagert, und Lettlands Hauptstadt selbst (zum Zeitpunkt der Erhardtschen Geburt noch russisch, weil sich bereits Zar Peter der Große anno 1710 der günstigen Hafen-Lage bedient hatte) wird allgemein nur der Daugava zugerechnet. Die aber ist ein Fluss, und deshalb sei der Begriff "am Wasser" vage erlaubt. Das Datum der Erhardtschen Erscheinen auf dieser Welt, mithin als Sohn eines deutsch-baltischen Kapellmeisters, fällt in eines der wässrigen Sternzeichen. In welches genau - darüber streitet das Genie. Rolf Thissen jedenfalls will den Meister höchstselbst zitiert wissen: "Am 20. Februar 1909 in Riga geboren, also Wassermann." Jedes einschlägige Fachwerk weist den 20. des zweiten Jahres-Monats ohne Flax und Krümel als (mindestens) ersten, meistens jedoch zweiten oder gar dritten Tag des Sternzeichens "Fische" aus. Die leben aber auch im Wasser, und also sei der Schabernack verziehen.
Heinz Erhardt wird darüber hinaus zeit seines irdischen Daseins ein Nichtschwimmer sein, was insofern erwähnt werden muss, da er - als die Wehrmacht rief - nach zwei nicht bestandenen Musterungen (man darf vermuten: der Schelm hat nachgeholfen) 1941 doch "gezogen" wurde ... zu den See-Streitkräften! (Weil's Marine-Korps in Stralsund einen Pianisten suchte.) Tja, und schlussendlich wird er den Rest seines - bis auf die letzten sieben Jahre - vergnüglichen Menschseins in Hamburg verbringen. Und das liegt, wir vermuten ganz richtig, am Wasser. Ganz schön nass, diese Biographie.
Eigentlich sollte an dieser Stelle - wie wir es bei Kalibern der Leinwand stets vorhaben - eine Film-Beschreibung lesbar werden, um den zu Ehrenden mit unserer stärksten Waffe zu ehren. Aber das geht bei Erhardt schlecht. Er war nur in zweiter Instanz eine Kino-Koryphäe, gewiss im "Wirtschaftswunder-Westdeutschland" mit seinem cineastischen Boom viele Male "verhei(n)zt". Aber eben auch wirklich nur das - Lorbeeren erntete er auf diesem Sektor nicht; wir haben uns unlängst >>Der letzte Fußgänger<< von 1960 einverleibt - es sträubt sich die Feder, doch dazu speder ...
Nochmal zurück zu seinem Werdegang, der dieser Tage bei anderen "newspaper"-Kollegen ausführlicher nachjustiert werden dürfte. Wir halten es mit jener Schilderung, die man sich von (oder für) Biograph Rolf Thissen gestrafft so vorstellen muss: "Von 1919 bis 1924 in Hannover und in der Wennigser Mark am Deister gelebt, Schulbesuch wenig erfolgreich. Von 1924 bis 1926 wieder in Riga. Auch dort in der Schule kein Fortkommen. Ich machte, dass ich fort kam. 1926 bis 1928 Musik-Studium in Leipzig (am Konservatorium/d. Red.) und Volontär in einem Musik-Geschäft. 1928 bis 1938 Noten- und Klavier-Verkäufer in Riga in Großpapas Geschäft. Große Pleite. Von 1938 bis 1998 (!) Humorist, Kabarettist, Schauspieler, Channsonnier, Schriftsteller, Dichter, Komponist und Vater (vierfacher: drei Mädels, ein Bub/d. Red.)."
Das mit dem "bis 1998" ein gewiss schauriger Gag; Erhardt hatte in seiner langen Karriere so ziemlich Alles aufs Korn genommen, auch die Sprache: "Es ist leichter, den Mund zu halten, als eine Rede." Ab 1971 wird er zwangsweise den Mund halten müssen - ein tragischer Schlaganfall beraubt ihn seines wichtigsten Instruments. Den 70. Geburtstag schafft er noch, und das Fernsehen zeigt seine komische Oper "Noch 'ne Oper", mit ihm als "mysteriöser stummer Mann im Garten" (IMDb), was sooo auch nicht stimmt, denn einzelne Verbal-Einlagen wurden per Ton-Technik zugemischt. Sprechen und musizieren durften u.a. Paul Kuhn, Hans-Joachim Kulenkampff, Cornelia Froboess, Karl Dall, Gitte Hænning, Harald Juhnke u.a. Ein letzter großer Vorhang für einen Großen, der nicht wirklich zu Größe geboren war, und dann doch ganz größerlich wurde. Die Ausstrahlung also am 21. Februar 1979; am 1. Juni des gleichen Jahres die nachträgliche (?) Ehrung mit dem GROSSEN VERDIENSTKREUZ DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND, und nur vier Tage später stirbt er in Hamburg. Der "Wassermann", der eigentlich ein "Fische" war, ist für immer abgetaucht.
Nicht nur aus Anlass des jetzigen Jubiläums holte man Erhardt an die (TV-)wellige Oberfläche zurück: Gleich kurz nach seinem Tod schwappten die alten Streifen mit dem Komiker durch westdeutsche Programm-Kinos (die DDR hatte bis auf eine AMIGA-LP von 1985 wenig Verwendung), und "Studenten und Schüler standen Schlange", wie ein Porträt der SÄCHSISCHEN ZEITUNG zu berichten weiß. Viel abgewöhnen kann man diesen Klamotten allerdings nicht. >>Der letzte Fußgänger<< ist so ein Beispiel mit einer guten Grundidee, die aber zum Desaster wird. Dies vielleicht, weil Erhardt nicht selber Hand ans Skript legte; die Vorlage eines Kabarettisten-Kollegen namens Eckart Hachfeld war von Regisseur Wilhelm Thiele in ein Drehbuch umgestanzt worden. (Thiele, die Experten wissen es, steht für >>Die Drei von der Tankstelle<< von 1930, emigrierte dann nach Hollywood, wo er u.a. zwei Johnny Weissmüller->>Tarzans<< drehte, um eigens für den >>Fußgänger<< nach Deutschland heimzukehren; wenig später beendete er seine Regie-Laufbahn und starb 1975 im Alter von 85 Jahren in den USA.)
Erhardt gibt den ledigen Verlags-Angestellten Gottlieb Sänger, der sich zum Urlaub in den Schwarzwald zurückziehen will, wo er 30 Jahre früher eine Liebschaft gehabt hatte. Aber mit des Geschickes Mächten ... Noch bei der Abfahrt des Zuges verabreicht ihm eine Baronin von Hartwig (Käthe Haack) ihre 16-jährige Enkelin Christine "Kiki" Cornelius (Christine Kaufmann) zur Obhut; die ältere Dame hatte zwei junge Burschen im Abteil als "Wölfe im Schafspelz" und im Archivar den kongenialen "Security-Gentleman" ausgemacht. Selbstredend fagt sich Freund Gottlieb: "Wie kommen Sie gerade auf mich?", worauf die adlige Omi entgegnet: "Sie sehen halt wie ein guter, alter Onkel aus." Charmant ist das gerade nicht, aber Gottlieb fügt sich dem Schicksal. Was nicht einfach zu werden droht, denn "Kiki" hat keineswegs vor, auf direktem Weg ins Genfer Internat zu zügeln, pardon, zu reisen. Es sind ja noch Ferien, und sie ist auch kein Kind mehr. Die beiden jugendlichen Draufgänger steigen jedoch schon in Bingen aus, und Schützer wie Beschützte kommen sich beim Verzehr echt Haus-gemachter Brötchen nebst Grill-Hähnchen (ohne Grill) langsam näher ... natürlich nur im platonischen Sinne.
Derweil herrscht auch in Gottliebs Illustrierten-Redaktion heftige Betriebsamkeit, weil stets zur Ferien-Zeit die Auflagen mächtig in den Keller sinken. Also wird von Verlags-Leiter Dr. Zollhöfer (Ernst Waldow) eine Gegenmaßnahme angeschoben und für die "beste Ferien-Story" eine Prämie von stattlichen 3000 DM ausgelobt. Davon ahnt Hobby-Fotograph Gottlieb freilich nichts, als er seinem Freund - dem Redakteur Hiss (Werner Finck) - ein paar Schnappschüsse von seinen Wanderungen mit "Kiki" zukommen lässt. Das kam nämlich so: Der Entspannung-Suchende steigt erst einmal in Oos (Baden-Badener Orts-Teil) aus der Eisenbahn, worauf ihm das kecke Mädel unerlaubterweise folgt. Die hatte im Zug vom dortigen Casino gehört und ist jetzt wie besessen von dem Gedanken, das Spiele-Etablissement zu besuchen. Alle Warnungen nutzen nichts, und einmal am Roulette-Tisch, gerät der biedere Angestellte alsbald selber völlig außer Rand und Band, verspielt um ein Haar seine ganze Urlaubs-Kasse. Nun gut, trotz damals noch nicht existenter Automaten konnte man sich ein paar Banknoten nachschicken lassen, und weiter geht das Abenteuer, jetzt aber richtig in der Natur, wofür sich Christines stöckeliges Schuhwerk als leicht ungeeignet erweist. Auf einem bäuerlichen Hof trifft das ungleiche Paar das Studenten-Duo Rudi (Michael Lenz) und Max (Peter Wegen), das sich aber alsbald verflüchtigen muss, weil das zum Frühstück feilgebotene Huhn gestohlen ist. Gottlieb und "Kiki", die sich gegenüber den beiden Jung-Galanen notwendigerweise als Vater und Tochter ausgeben, werden mit einem der Flucht dienenden Feuer-roten Automobil aus der misslichen Lage befreit, um in die nächste komische Situation zu schlittern, die ein Inder samt Chauffeur im pompösen Cabriolet heraufbeschwört; Christinchen ist hin und weg von dem "Maharadscha-Verschnitt", aber der "Papa" meistert auch diese Hürde bravourös. Und weiter geht's zu einem Gastwirt (Willy Reichert), der schon bei Gottliebs Flirt von vor 30 Jahren zugegen war und damals wie aktuell in doppelter Funktion seine Gäste musikalisch "bewirtet". Gottlieb und "Kiki" legen zur Verwunderung des Publikums einen sensationellen Charleston aufs Parkett.
Auf der weiteren Reise dann wird das ungleiche Pärchen in einem Hotel von der journalistischen Wirklichkeit eingeholt. Denn längst hat die Haus-Illustrierte Gottliebs ihre bebilderte Urlaubs-Serie - Überschrift: "Der letzte Fußgänger" - unter das lese-begeisterte Volk gebracht, und so sind der "Onkel" und die Adels-Enkelin auf einem Schlag weithin bekannt. Nur Frau Baronin ist "not amused"; sie wird sofort im Verlagshaus vorstellig und fordert Aufklärung. Derweil wird Gottlieb bei der Rückkehr zu seinem Großstadt-Job von Dr. Zollhöfer mit Pauken und Trompeten empfangen - klar doch, die Auflage ist erstmals nicht gesunken. Den zu den Lobpreisungen gehörenden Scheck vermacht Gottlieb dem in "Kiki" verknallten Studenten Rudi, und schlussendlich gibt es auch noch die Aussöhnung mit Baronin von Hartwig.
Das liest sich lustig, und bisweilen ist es das auch. Aber filmisch geht da so ziemlich Alles daneben, was danebengehen kann, und was bei einem US-erprobten Regisseur schon arg verwundern muss (auch wenn Thiele in Hollywood nicht wirklich was "gerissen" hat). Der Auftakt ist brillant, aber mit Abfahrt des Zuges in die Ferien funktioniert schlichtweg gar nichts mehr. Am Anfang gelingt noch, was Erhardt so stark macht und was ein Kollege bei TV MOVIE so beschrieb: "Der liebenswürdige Komiker mit dem durchtriebenen Charme bewegt sich graziös und steht wie kaum ein Anderer für die spießig-peinlichen 50er-Jahre, die er mit hintergründigem Humor karikiert". Gottlieb wird als spießiges Ideal eingeführt: Umsorgt von seiner Haushälterin, der "Huppertschen" (Lucie Englisch), sich freuend auf den letzten Arbeitstag vor den Stress-freien Zeit. Ungewöhnlich ist schon die Haushälterin für einen kleinen Angestellten, denn wenig später wird er gegenüber einer Verlags-Mitarbeiterin zugeben, "in der unwichtigsten Abteilung unserer Illustrierten" beschäftigt zu sein. Dann lümmelt er sich zum Fenster hinaus, sieht dem hektischen Treiben auf der Straße zu und trällert dabei: "Schnell, schneller, immer schneller, dem eigenen Schall hinterher. Sie könnten es nicht ertragen, wenn ein Anderer schneller wär' ..." als Kampf-Ansage daran, ein solches Tempo niemals mitmachen zu wollen.
Eine löbliche Absicht, aber um Gottes willen nicht mit der Person Erhardts in Einklang zu bringen. Seine vielen "Berufungen" wurden weiter oben schon gelistet, und mit dem Erfolg ging - ein allgemein bekannter menschlicher Makel - die Sucht nach noch mehr Erfolg einher. Jedenfalls wird ihm nachgesagt, bis zur Erschöpfung und auch bei schlimmen Krankheiten wie fiebrigen Anfällen, zu hohem Blutdruck oder einmal sogar mit gebrochenem Bein weitergeschuftet, sich auf die Bühnen geschleppt zu haben. Ergo das blanke Gegenteil zum Fenster-Lümmler aus >>Der letzte Fußgänger<<. Nach dem insgesamt tragfähigen Einsteig lässt das Niveau der Komödie rapiad nach, und als Thiele dann eine schöne Aufnahme vom fahrenden Zug mit einer hohen Burg im Hintergrund gelingt, wird dies für lange Zeit auch der letzte visuelle Höhepunkt bleiben. Unlogisch wird es, als der Archiv-Globetrotter in Baden-Baden erst "Kiki" vom Glücks-Spiel mit der sich drehenden Kugel abhalten will, um wenig später (Schweiß-überströmt!) sein eigenes Portemonnaie zu plündern. Völlig ungeklärt bleibt, was es mit der früheren Liebe Gottliebs auf sich hat, und hanebüchen wird's, wenn mitten im Schwarzwald ein Inder im Luxus-Schlitten aufkreuzt - einen Italiener oder Briten hätte man vielleicht noch verziehen, aber einen Turban-behangenen Casanova (Harry Tagore) eher nicht ...
Gewiss ist es nicht dümmlich, wenn die Protagonisten mitten im Geschehen verlassen werden und per Redaktions-Disput die seinerzeitigen Urlaubs-Gewohnheiten der (West-)Deutschen aufs Korn genommen werden (die Gestaltung dieser Einblendungen erinnert übrigens sehr an die überaus erfolgreiche 1957er Hollywood-Klamotte >>Sirene in Blond<<); besonders köstlich die erschöpfte Dame im Pariser Louvre. Aber das funktioniert auch nur, wenn der Rest schlüssig ist, und das kann leider nicht attestiert werden. Selbst noch das letzte wirkliche Highlight - der von Ehrhardt und der Kaufmann hinreißend getanzte Charleston - wird von Thiele vermasselt, indem er seine Hauptdarstellerin gleich nochmals auf die Tanzfläche beordert, um solo einen Bolero hinzulegen. Das mag von den beweglichen Fähigkeiten der Österreicherin zeugen, aber es "zerschmettert" den Gag mit dem Charleston vollständig.
Genug des cineastischen Ausflugs: Erhardt-Filme waren strikte Ablenkungs-Unterhaltung und blieben als solchige - vom allgemeinen Interesse aus betrachtet - sogar mehrheitlich hinter den anderen Produktionen jener Ära (Heimat-Filme, dann Edgar Wallace- wie auch Karl May-Adaptionen) zurück. Auch der Meister selbst nahm die Beschäftigung mit bzw. auf der Screen wohl nicht sonderlich ernst. Das geht schon daran abzulesen, wie er rückblickend seinen Leinwand-Einstieg (1949 im Krimi >>Gesucht wird Majora<<) beschrieb, was auf ein unbedeutendes Bühnen-Stück zurückzuführen gewesen sei: "Das Publikum scharte sich in Scharen um das Geschehen, aber, wie ich später erfuhr, weniger meinetwegen, als wegen einer bedeutend jüngeren Kollegin, die es meisterhaft verstand, ihre Rolle vor Allem zu verköprern! Hauptsächlich die Film-Produzenten, die ja immer auf der Jagd nach jungen Talenten - besonders wenn sie weiblichen Geschlechts sind - sind, eilten in rauhen Mengen herbei, um den Maßen der Künstlerin nachzuspüren ... Schließlich aber kam einer dieser Herren nicht nur ins Theater, sondern auch auf die Idee, dass eigentlich ich den Maßen der Breitwand eher entspräche!" (Da ist es außerdem gut zu wissen, dass es CinemaScope 1949 noch gar nicht gab - aber das muss man bei Erhardts offenbar auch privat-biographischen Witzeleien großzügig übersehen.)
Unter seinen etwas über 40 Zelluloid-Werken findet sich dann auch wirklich nur wenig historisch Wertvolles: Im Biopic >>Axel Munthe - der Arzt von San Michele<< etwa durfte er 1962 hinter O. W. Fischer und Rosanna Schiaffino den Impresario Brunoni geben; in Wolfgang Staudtes >>Die Herren mit der weißen Weste<< (1970) war er der Heinrich Scheller. Mehr "Seriöses" gab's nicht. Fast alle anderen Filme waren seit 1957 (>>Der müde Theodor<<) auf ihn zugeschnitten, kleinere Nebenrollen wie in >>Freddy und der Millionär<< (1961) oder gar der Aurelius in >>Der Ölprinz<< (1965) eher die Ausnahme. Doch wie gesagt: Heinz Erhardt war nicht wirklich Kino. Die Kabarett-Bühne, das Fernsehen und der Schreibtisch für seine vielgerühmten Gedichte-Bände gelten als seine deutlich schöpferischeren Aktionismus-Felder. In der Wort-Akrobatik, dem Spiel mit den Irrungen und Wirrungen der deutschen Sprache, leistete er Bahnbrechendes, Hervorragendes. Nachfolgende Komiker-Generationen werden sich bei ihm bedienen, ohne dass der Lachende in den Comedy-Shows je um die Urheberschaft wüsste. Denn jede Sprache kennt Grenzen, und jedes Witze-Arsenal ebenso.
Man verneigt sich als Spätgeborener vor ihm allerdings auch, weil er in der Unterhaltungs-Industrie etwas darstellte, was es eigentlich überhaupt nicht gibt: Sein Humor, seine Komik kamen weitestgehend unpolitisch einher. Er muss sich dies angeeignet haben, als er 1938 - "nach vielen Tellern Volksküchen-Suppe", wie ein Kollege des BAYRISCHEN RUNDFUNKS schrieb - eine erste geregelte künstlerische Anstellung fand: Im Berliner "KadeKO" (Kabarett der Komiker), von Goebbels logischerweise jeglicher Anspielungen gegen das NS-Regime beraubt. Werner Finck, Erhardts späterer Partner im >>Letzten Fußgänger<<, gehörte zum Ensemble, das der damals noch recht schlanke Heinz Rühmann-Verschnitt dann bezüglich der bereits erwähnten Truppen-Betreuung in Richtung Stralsund und Wehrmachts-Marine verlassen musste. Nicht verlassen hat er über all die Jahrzehnte seine Ehefrau Gilda - eine Konsuls-Tochter, die er 1935 zum Altar führte, nachdem er sie - typisch Erhardt - in einem viel zu langsamen Rigaer Fahrstuhl kennengelernt haben will.
Wenn Heinz Erhardt eine Botschaft vermitteln konnte, dann jene, dass die eigene Muttersprache ein Wert-volles Gut ist, mit der man bei entsprechender Intelligenz und ohne wirkliche Böswilligkeit allerlei Blödeleien veranstalten kann. Unsere Redakteure machen das ja gelegentlich auch ... ganz ohne an Erhardt zu denken oder gar beim ihm zu "klauen". Viele seiner neckischen Verse machten in diesen Tagen seines 100. Geburtstages die Zeitungs-Runde; da wir keine Bücher seiner Autorenschaft in unserem Bestand haben, muss zum Finale ein Vierzeiler genügen, den wir zufällig im Fernsehen aufgeschnappt haben, und der wirklich Alles über den geistreichen Verbalien-Witz seines Urhebers (falls er denn immer von ihm stammte, was sicher nicht 100-prozentig verifizierbar ist) aussagt: "ES GIBT GERÜCHTE, DASS HÜLSEN-FRÜCHTE, IN UNMENGEN GENOMMEN, NICHT GUT BEKOMMEN. DAS MACHT NICHTS - ICH FINDE DAS FEIN: WARUM SOLL MAN NICHT EINMAL EIN BLÄH-BOY SEIN ..."
Heinz Erhardt war unglaublich produktiv. In >>Drillinge an Bord<< von 1959 trieb er diese nachgewiesene Arbeits-Wut sogar so weit, dass er gleich alle drei Hauptrollen spielte. Was bei einem brüderlichen Trio mit gleichem Geburts-Datum andererseits irgendwie verständlich wirkt ... (Szenen-Foto: Repro)
|
| |
Und also sprach
DAS DREHBUCH:
Yul Brynner: "Ich bin ein Verlorener."
Robert Fuller: "Rede doch keinen Unsinn, Chris. Jede gute Tat wird einmal belohnt."
(Aber wohl wirklich nur im Film - hier in Sach-
sen gibt's sowas nicht! Dialog aus >>Return of the Seven<< von Burt Kennedy; Szenen-Foto mit Fuller: sa-ex/TV.)
|
|
|
User online: 5 Heute: 12 Gestern: 153 Gesamt: 386548
|
|
|