Sachsen-Express
+ + + DER BESTE JOURNALISMUS AUS DEM OSTEN + + +
 

++ SPIEFILM-TIPSS für das TV-PROGRAMM zu den OSTER-FEIERTAGEN 2010 ++

Ein früher Vorläufer von Handschellen-Sex? Victor Mature und Hedy Lamarr in >>Samson und Delilah<<.


KARFREITAG: Den späten Glanzpunkt setzt einer der wenigen noch aktiven Top-Regisseure Hollywoods: Martin Scorsese Casino (23 Uhr, ARD) hat zwar auch schon etliche Jahre - gedreht 1995 - und mehrere Ausstrahlungen im TV hinter sich, ist aber durchaus zum gehobenen Standard zu zählen. Dies allein schon, weil die Kombination Scorsese/Robert De Niro seit beider ersten Zusammenarbeit Hexenkessel prächtig funktionierte. Wie in jenem frühen Meisterwerk von 1973 beschäftigt sich der erst sehr spät OSCAR-gekrönte elitäre Filmemacher auch in Casino mit extrem mafiosen Strukturen. Nur sind eben zwei Jahrzehnte vergangen, und De Niros Darstellung passt sich grandios den neuen Gegebenheiten an, unterstützt das Retrospektivische der Erzählung. Sam "Ace" Rothstein (De Niro) darf, obwohl nicht Italo-stämmig, wegen seiner ausgezeichneten Fähigkeiten im Auftrag der Mafia das neue "Tangiers"-Casino leiten. Als sein eigener Jugend-Freund Nicky (Joe Pesci), der als Killer-Profi nur zum Schutz Rothsteins engagiert wurde, munter loslegt und illegale Geschäfte auf eigene Rechnung macht, kommt es zum unvermeidlichen Gangster-Krieg ... Die Vorlage lieferte mit Nichoals Pileggi ein heute 77-jähriger Schriftsteller, der als ausgewiesener Mafia-Experte mit unglaublichem Insider-Wissen ausgestattet ist und hier nichts zu erfinden brauchte - die 52 Mio.-Dollar-Produktion orientierte sich direkt am Gangster Frank "Lefty" Rosenthal (1929-2008), der als Kasino-Manager in Las Vegas alle kriminellen Strukturen kontrollierte. Auch die Beziehung zu seiner Frau, die ihn nicht mochte und mit seinem besten Kumpel anbandelte (Film-Nicky war in Wirklichkeit der nicht minder berüchtigte Anthony Spilotro/1938-1986), ist wahr, obschon natürlich im Zeitraffer widergegeben. Man muss freilich um die Fakten nicht wissen, denn Scorsese schöpft ein weiteres Mal alle Möglichkeiten des modernen Kinos aus. Immer wieder fasziniert er mit den Grat-Wanderungen zwischen der auf Inhalte und schauspielerisches Können fixierten Ära des alten Hollywood-Kinos und den formellen Chancen, welche die moderne Technik bietet. "Reiben an den Mythen des amerikanischen Gangster-Films", nannte das ein Historiker-Kollege. Und wir sind echt froh, dass der "Marty" nicht Priester geworden ist, wie er es ursprünglich mal vorhatte ...


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SONNABEND: "Friede nährt - Unfriede verzehrt" verwies der Flensburger Bischof Gerhard Ulbrich im Fernseh-Gottesdienst des frühen Karfreitags. Aber der Unfriede ist allgegenwärtig, und darauf zu hoffen, dass ein überirdischer Gott irgendwann einmal für den Stillstand aller Waffen sorgt, scheint ebenso fatalistisch wie utopisch und entspricht auch kaum den Intentionen der Bibel, denn die fordert den Menschen auf, vom Töten zu lassen. In die Zeit der Kriegs-Brutalitäten führen am Samstag gleich zwei epische Arbeiten (vergleichsweise) jüngerer Machart zurück: Mel Gibson zeichnet mit Wir waren Helden (23.40 Uhr/ARD) die Schlacht im vietnamesischen Ia-Drang-Tal nach, die 1965 immerhin 234 Amerikanern das Leben kostete. Und noch weiter zurück entführt uns Clint Eastwoods Flags of Our Fathers (0 Uhr/ZDF), der an das berümteste letzte Gemetzel des Pazifik-Krieges im Februar/März 1945 auf einer der Ogasawara-Inseln südlich von Japan erinnert. Das blieb nicht zuletzt durch ein berühmtes Foto erinnerlich, welches sechs GIs beim Hissen des Sternenbanners auf dem Vulkan Suribachi zeigte und das in der Kriegs-müden Heimat für neue Euphorie sorgte, wo der Regierung überdies die Dollar ausgingen. Deshalb wurde die Rückverbringung der Helden angeordnet, die in den Staaten auf eine Art Werbe-Tour zu gehen. Das wiederum hatte aber hinter den soldatischen Kulissen für etlichen Unmut gesorgt - einige der Abgebildeten waren inzwischen gefallen, sollten von "Ersatz"-Kadern wie dem Indianer Ira Hayes vertreten werden (dem Johnny Cash später eine Ballade widmete). Außerdem war die Aufnahme nicht ganz echt - das Hissen wurde bereits ein zweites Mal vollzogen, weil ein bei der Landung anwesender Politiker die Original-Fahne als Souvenier einbehalten wollte und der zuständige Kommandeur daraufhin einen "Reserve"-Trupp mit eben solchiger "Reserve"-Flagge entsandt hatte. Die eigentlichen Helden - und die Einnahme des Archipels mit seinem "schwarzen Sand" (wegen des Vulkans) war extrem schwierig und tödlich, hatten sich doch die Japaner geschickt eingegraben - blieben unerwähnt. Hauptsächlich diesen historischen Ansatz hatte Eastwood vor Augen, dessen Produktion sich deshalb logischerweise weit von Allan Dwans bereits 1949 entstandener Heroisierung Sands of Iwo Jima mit John Wayne in der Hauptrolle entfernt. Aber wie in der Hollywood-Geschichte häufig zu erleben, hatte das Publikum kein bis wenig Interesse an diversen "Entzauberungen"; ob der Streifen überhaupt Profit gemacht hat, ist schwer zu beziffern, da die Produktions-Kosten höchst differierend mit knapp über 50 bis hin zu 90 Millionen Dollar angegeben wurden. Und auch OSCAR dankte die löblichen Intentionen der einstigen Western-Ikone nicht - es gab eh nur zwei Nominierungen auf dem Sektor des Tons. So erfuhr Clint Eastwood auf späten Umwegen, was John Ford bereits 1962 mit Der Mann, der Liberty Valance erschoss zum Ausdruck gebracht hatte: Wahrheiten sind uninteressant - wenn wer von der Masse zum Helden gekürt wurde, hat er das gefälligst auch zu bleiben! Mag dahinter des Öfteren auch ein "Waschlappen" stecken ...


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OSTERSONNTAG: Zum alljährlichen "Standard" des österlichen Programms gehören die Die zehn Gebote (10.30 Uhr/Kabel) des für seine monumentalen Anwandlungen bekannten Regisseurs Cecil B. De Mille. Den 1881 geborenen Sohn eines Bühnen-Autors darauf zu reduzieren, ist jedoch Grund-verkehrt - De Mille war als Pionier der ersten Hollywood-Stunde in seinen frühen Stummfilmen durchaus sozial-kritischen Themen nicht abgeneigt. Als aber 1918 mit The Whispering Chorus ein solch ernstes Produkt beim Publikum durchfiel, zog sein Schöpfer die Konsequenzen und orientierte sich fortan am Massen-Geschmack, drehte schwülstige Melodramen und biblische Epen. Überliefert ist allerdings auch sein egomanisches Auftreten am und neben dem Set, das gerne auch die Abkanzelung von Stars beinhaltete - weder Mary Pickford kam mit ihm klar, noch der junge Anthony Quinn, der alsbald sein Schwiegersohn werden sollte. Dass Quinn später das Remake von The Buccaner inszenieren durfte, hing einzig damit zusammen, dass der renommierte Regisseur zu krank geworden war; kurz nach der Premiere starb De Mille im Januar 1959. Zu seinen letzten Werken hatte auch Samson und Delilah (17.45 Uhr, TELE 5) gehört, ebenfalls ein Bibel-"Schinken", das von der Unterdrückung Isreals durch die Phillister berichtet und mit seinen drei Protagonisten Victor Mature, Hedy Lamarr und George Sanders elitär besetzt war. Mature (1913-1999) hatte es gerade dank Henry Hathaways Gangster-Klassiker Der Tdeskuss von 1947 zu Star-Ehren gebracht; die aus Österreich stammende Hedwig Kiesler alias Lamarr (1914-2000) war durch die gewagten Szenen der tschechischen Produktion Ekstase (1933) berühmt geworden, konnte aber in Amerika nicht den ganz großen Erfolg feiern. Und Sanders war aus zahlreichen Abenteuer-Streifen sowie Krimis bekannt. Ursprünglich war freilich der physisch ebenfalls sehr präsente Burt Lancaster für den Samson-Part vorgesehen, doch der hatte wegen Rücken-Problemen passen müssen. De Milles Aufwand - er ließ viele der nötigen Bauten in den Studios der PARAMOUNT nachbilden und beschränkte sich auf wenige Außen-Aufnahmen in Algerien bzw. Marokko - wurde sogar von der Academy gewürdigt: Es gab OSCARs für die Art Direction (Szenenbild) und die Kostüme. Die Kritik war eher gemäßigterer Ansicht, wie wir nicht zuletzt Hal Ericksons Zeilen (aus ALL MOVIE GUIDE) entnehmen können, der das von viel einstürzenden Gesteins-Massen aus Pappe getragene Finale im Visier hatte, als er schrieb: "Der spektakuläre Höhepunkt von Samson and Delilah ermöglicht es uns, dubiose Highlights wie Samsons Kampf mit einem peinlich unechten Löwen und die langweiligen romantischen Szenen nach Katz-und-Maus-Art zu vergessen." Wir Nachgeborenen sollten erhabener urteilen und es mit Frieda Grafe halten, die schon 1973 eine fesche Lanze für Cecil B. De Mille brach, als sie argumentierte: "Heute über seine Filme sich zu mokieren, ist, wie über ein altes Auto zu lachen oder über Walter Scott oder Wagner oder Balzac." Macht ja schließlich auch niemand, oder ...


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OSTERMONTAG: Er ist der absolute Kult-Film unter allen deutschen Natur-Streifen und wird dennoch relativ selten gezeigt: Der MDR strahlt um 13.05 Uhr Bernhard Grzimeks Serengeti darf nicht sterben aus dem Jahre 1959 aus. Gezeigt werden die schwierigen Anfänge des Nationalparks an der nördlichen Grenze Tansanias zu Kenia, wohin er und sein Team von der damaligen Verwaltung eingeladen worden waren, um Zahl und Pfade der dort lebenden Wildtiere zu erkunden. Bei den damit verbundenen Dreharbeiten wurde er von mehreren Kameramännern begleitet, darunter sein Sohn Michael, der im Rahmen dieser Betätigung am 10. Januar 1959 bei einem Flugzeug-Absturz ums Leben kam; er war erst 24 und selber schon 2-facher Vater. Grzimek sen. hatte große Mühe, diesen Verlust zu überwinden, blieb jedoch seinem Tierschutz-Anliegn mit Schwerpunkt Akfrika bis an sein eigenes Lebens-Ende treu und erreichte mit seiner TV-Sendung >>Ein Paltz für Tiere<< heutzutage unvorstellbare Einschalt-Quoten von rund 70 Prozent. Die 85-minütige Dokumentation erlangte übrigens noch auf andere Weise einige Berühmtheit - Grzimek hatte sich mit den deutschen Zensur-Behörden angelegt. Die wollten das Prädikat "Wert-voll" nur unter Auflagen vergeben (Grzimek hatte sich im Kommentar ziemliche Freiheiten erlaubt wie: "Löwen töten ihre eigenen Art-Genossen nicht, daher wäre es um die Menschen besser bestellt, wenn sie sich wie Löwen benähmen ..."). Das empörte den engagierten, in Kino-Fragen indes unbedarften Tierschützer so sehr, dass er sich nicht einmal beruhigen konnte, als die Behörde in Wiesbaden einlenkte und auf Kürzungen bzw. Schnitte verzichtete. Ein mutiger Bursche, dieser gebürtige Oberschlesier, der in Frankfurt/Main als Zoo-Direktor reüssierte und in der Main-Metropole anno 1987 bei einem Zirkus-Besuch starb. In seiner Ablehnung der Kontrollpraktiken der Film-Industrie blieb er extrem konsequent; dem SPIEGEL sagte er einst: "Ich kann dieser Zensur in Deutschland nicht anders ausweichen, als dass ich eben keine Dokumentar-Filme mehr herstelle." Die Original-Stimme aus dem Off gehört übrigens nicht Grzimek, sondern dem Schauspieler Holger Hagen (1915-1996), der auch ein anerkannter Synchronist war und in dieser Funktion u.a. William Holden in Sam Peckinpahs legendärem Western The Wild Bunch - Sie kannten keine Gesetz eine deutsche Aussprache verlieh. Serengeti darf nicht sterben erhielt 1960 den OSCAR in der Kategorie Bester Dokumentar-Film.


Hat hier mal ein Tierchen nicht vor, sondern auf der Kamera: Tierschützer Bernhard Grzymek, berühmt geworden durch die Dokumentation >>Serengeti darf nicht sterben<<. (Fotos dieser Seite: Repro)













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