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++ Zum 100. Geburtstag des französischen Film-Regisseurs JEAN DELANNOY ++

Ein früher Film des Franzosen: >>Die Spielhölle von Macao<<, mit Top-Star Erich von Stroheim (rechts) und Tsgundo Maki. Wegen der Welt-politischen Lage kam der 1939 gedrehte Streifen erst 1942 in die Kinos - ohne Stroheim.
(sa-ex) Man kennt Jean Delannoy, wenn in der modernen Kino-Landschaft überhaupt, vorwiegend als Schöpfer der 1956er Version von Der Glöckner von Notre-Dame. Ein Farben-frohes Spektakel und reinste Leinwand-Unterhaltung, sehr nach dem Geschmack des Publikums. Zu sehr, denn die Adaption des Welt-berühmten Romans von Victor Hugo gilt unter Fachleuten als umstritten bis wenig gelungen. Was auch nicht anders sein kann - so prall und Lebens-toll ist der Stoff nicht; die literarische Vorlage hatte wahrlich Anderes im Sinn und zeichnete ein extrem düsteres Bild von den frühmittelalterlichen Zuständen, vor allem inspiriert durch die unglückliche Herkunfts-Geschichte der Esmeralda, deren Mutter längst als bettelarme Klausnerin dahinvegetiert und die ihrer an Zigeuner verlorengeglaubte Tochter doch noch wiedersehen darf. Delannoy und seine beiden Drehbuch-Autoren Jean Aurenche sowie Jacques Prévert scherten sich wenig um die schmerzlichen Dinge und tauchten mit ihrer Version in neue Dimensionen, die bei vorherigen Verfilmungen kaum eine Rolle gespielt hatten. So wurde Esmeralda in das absolute Zentrum gerückt und auch dem Dichter Gringoire viel mehr Raum zugebilligt - dies sicher über die Interpretation durch den einheimischen Robert Hirsch eine Konzession an die Zuschauer im Lande, die schon wieder (wie 1939) keine Franzosen in den beiden "leading parts" erlebten: Die unsterblich in den Falschen verliebte Tänzerin gab Gina Lollobrigida, den Buckligen der über den europäischen Umweg gerade zum Star avancierte Anthony Quinn - sie eine Italienerin, er eingebürgerter Amerikaner mexikanischer Herkunft. In der vorher geläufigen Hollywood-Produktion des deutschen Emigranten William Dieterle triumphierten die Irin Maureen O'Hara und der herrliche Charles Laughton, der vermutlich beste Quasimodo aller Zeiten. Allerdings war Quinn auch superb, wie seine Partnerin; am Darstellerischen lag es nicht, dass Delannoys Arbeit scheiterte. Es war der enorme Bombast, der nicht zum Sujet passt. Die Kinogänger mag das nicht gestört haben. Viele Cinema- wie auch Literatur-Experten schon.
Und so ging der am 12. Januar seinen 100. Geburtstag feiernde Jubilar dann auch weniger erfolgreichen Zeiten entgegen, drehte richtig schwache Streifen wie Le soleil des voyus (Action Man, 1967), den nicht einmal der legendäre Jean Gabin herausreißen konnte. Aber auch vor dem Glöckner war der Regisseur weitestgehend unbekannt, und wenn man die Fachliteratur genau verfolgt, dann wechseln Lob und Ablehnung in der gleichmäßigen Geschwindigkeit einer Achterbahn-Fahrt. Geboren wurde Jean Delannoy in Noisy-le-Sec, einer größeren Kleinstadt im Département Seine-Saint-Denis (heute 38000 Einwohner) nordöstlich von Paris. Über seinen frühen Werdegang existieren zwei voneinander abweichende Sichtweisen: ALL MOVIE GUIDE-Kollege Hal Erickson behauptet, Delannoy habe die Universität der Hauptstadt absolviert und sei dann dem Beispiel seiner schauspielernden Schwester Henriette gefolgt, indem er sich Beschäftigung im Stummfilm auserkor (IMDb listet tatsächlich neun Zelulloid-Auftritte einer Henriette Delannoy). Etwas anders beschreibt das Mammut-Lexikon von Kay Weniger die Spuren der Vergangenheit: "Delannoy hatte zunächst in kürzester Zeit in den unterschiedlichsten Berufen gearbeitet; 1927 als Journalist und Film-Schauspieler (>>Casanova<<), 1928 als Dekorateur, 1929 als Kunden-Betreuer bei einer Bank und 1930 erneut als Film-Schauspieler. Ebenfalls 1930 entschied er sich für den Beruf des Cutters, den er bis 1938 ausübte; daneben begann er aber auch eigene, kurze Filme zu inszenieren."
Wie auch immer: Das schauspielerische Leinwand-Debüt datierte von 1928 und lautete >>La grande passion<< (>>Die große Leidenschaft<<, mit Lil Dagover als Protagonistin); besagter >>Casanova<<-Film (in der Titelrolle der Russe Ivan Mozzhukin) kam allerdings erst 1934 zur Uraufführung. Auch seine Betätigung mit der Schnitt-Schere ist verifiziert, wobei auf diesem Sektor Buster Keatons Frankreich-Ausflug Le roi des Champs-Elysées (ebenfalls 1934) erwähnenswert scheint. Und im selben Jahr die erste eigene Regie: Paris-Deauville war offensichtlich eine Komödie, zu der aber nichts Näheres bekannt ist.
In den Dreißigern werkelte Delannoy noch unstet, doch das sollte sich im folgenden Jahrzehnt ändern. Da wir die wenigsten der Filme aus dem Augenschein kennen, haben wir unten einmal unkonventionell aus älteren Lexika jene Streifen herausgefiltert, die den Weg in (west-)deutsche Kinos gefunden haben. Es fällt die thematische Vielfalt auf, und es fällt auf, dass der Filmemacher besonders gut mit religiösen Stoffen zurechtkam. Das wird sich bis in seine letzten Arbeiten fortsetzen. Aber bis dahin war es noch ein weiter Weg. Aufmerksamkeit bescherte ihm das Jahr 1942 mit zwei sehr unterschiedlichen Beiträgen: Zum Einen kam das Spieler-Abenteuer Macoa, l'enfer du jeu (Die Spielhölle von Macao) in die Theater. Ein guter Film, doch vermutlich nur in seiner Original-Version: Wegen der Kriegs-Situation hatte man es vorgezogen, alle Szenen mit Erich von Stroheim als umtriebiger Werner von Krall noch ein zweites Mal zu drehen, diesmal mit dem Franosen Pierre Renoir (dem Bruder des großen Jean Renoir). Offensichtlich gab es später auch die ursprüngliche Variante zu sehen; der Historiker Norbert Grob schwärmte jedenfalls in den höchsten Tönen vom exzentrischen Hollywood-Österreicher: "Es ist, als wisse er bereits, dass er Abschied nehmen muss von solchen Filmen, als habe er sich bereits zu weit vorgewagt, wolle nun aber doch noch ein letztes Mal auskosten, welchen Spaß es machen kann, in der Welt herumzugondeln und den Bösewichtern ganz unerwartete Facetten abzugewinnen." Zum Anderen gelang ihm mit Pontcarral, colonel d'empire ein heftig diskutiertes Geschichts-Porträt über den gleichnamigen napoleonischen Oberst, gespielt von Pierre Blanchar. Noch einmal Kay Weniger: "Man schrieb das Jahr 1942, und während der Film um einen pro-napoleonischen Offizier zur Zeit der Restauration von der Vichy-Frankreich als Ausdruck nationaler Einheit interpretiert und somit als Staats-tragend angesehen wurde, deutete Delannoy den daraufhin von der Résistance heftig angefeindeten Streifen, der den Widerstreit zwischen dem Frankreich des 'ancien regime' (unter Ludwig XVIII.) und dem neuen, revolutionären (unter Napoleon Bonaparte) thematisiert, als ein verschlüsseltes Werk des Widerstandes. Der eher pathetisch-feierliche als künstlerisch befriedigende Historien-Film wurde ein enormer Erfolg zur Zeit der deutschen Besetzung und katapultierte Delannoy in die erste Reihe der Regisseure des gehobenen Unterhaltungs-Kinos."
Dann aber die Hinwendung zum klassischen Stoff: L eternel retour (Der ewige Bann, 1943) gilt als der bekannteste Streifen aus Delannoys frühem Schaffen, obwohl diese moderne >>Tristan und Isolde<<-Version ganz klar die Handschrift des Drehbuch-Autors Jean Cocteau trug. "Im Grunde genommen war es wohl so, dass er (Cocteau/d. Red.) Delannoy vorschlug, nach seiner Idee, seinem Szenarium und seinen Hinweisen einen Film zu drehen", meinte der polnische Historiker Jerzy Toeplitz, um kritisch anzumerken: "Wenn der Film von einem Regisseur mit größerer Phantasie und mit mehr Feingefühl, als es Jean Delannoy hat, gedreht worden wäre, hätte der Effekt eine stärkere Wirkung gehabt." Und so wechseln sich Licht und Schatten, Lob und Tadel recht häufig, wenn man die Literatur zum Ouvre recherchiert. Schon La symphonie pastorale von 1946 (dt.: Und es ward Licht, wieder mit Blanchar) wird bei Weniger als "feinfühlig umgesetzte, feierliche Verfilmung von André Gides Bedeutungs-schwerem Roman" gepriesen.
Am Besten aber war Delannoy anscheindend doch, wenn er kirchlich-geistliche Themen anpackte. Eine interessante Leistung auf diesem Sektor war Dieu a besoin des hommes (Gott braucht Menschen - zum Inhalt siehe unten), 1951 auf der "Berlinale" mit dem Spezial-Preis der Stadt Berlin ausgezeichnet. Vielleicht war es diese Reputation, die dem Regisseur das Engagement der produzierenden Hakim-Brüder für Notre-Dame de Paris bescherte; das war ja schließlich ein nationales Prestige-Projekt (die erste Adaption des Hugo-Klassikers im eigenen Land seit Albert Capellanis frühem Versuch von 1911!), welches auch anderen, vielleicht sogar einen Tick besseren Künstlern des Landes - von Christian-Jaque über Jean Renoir, Jean Cocteau, Robert Bresson hin zu Claude Autant-Lara, um nur einige zu nennen - gut zu Gesicht gestanden hätte. Aber wie schon gesagt: Es funktionierte dann nur zu geringen Teilen.
Und Delannoy verlegte sich mehr und mehr auf kommerzielle Ware, schuf u.a. zwei Maigret-Krimis, die deshalb erinnerlich blieben, weil der große Jean Gabin den berühmten Simenon-Kommissar verkörperte, was eine automatische Erfolgs-Garantie beinhaltete. Ein letztes größeres Aufsehen erregte 1964 die sensible Roman-Verfilmung Les amitiés particulières (Heimliche Freundschaften). Buch-Autor Roger Peyerefitte gilt als Pionier der Homsexuellen-Literatur und berichtete in seinem schon 20 Jahre vor dem Film veröffentlichten Buch vom 17-jährigen George de Sarre, der in einem Internat jene Liebe und Zuneigung sucht und im noch jüngeren Andre findet, die er in seinem Elternhaus vermisste. Ein namentlich nicht bekannter Kritiker meinte: "Die unorthodoxe Darstellung der amourösen Neigung zweier Jungen zueinander - wenn auch nur diskret und unterschwellig angedeutet - missfällt einer angepassten Kritiker- und Leserschaft. Die non-konformen Gefühlsregungen beschränken sich in dieser bewegenden Geschichte nicht auf die beiden Jungen: Alle Hauptfiguren - Kinder wie Erwachsene - stehen mehr oder minder stark im Konflikt mit bedrückenden gesellschaftlichen Normen, die ihren eigenen Empfindungen, Neigungen und Vorstellungen zuwider laufen." Auch sein letztes Opus als Regisseur und Autor war christlich geprägt: 1995 drehte er Marie de Nazareth mit der Luxemburgerin Myriam Muller in der Titelrolle.
Da war Jean Delannoy 87 Jahre alt und konnte sich getrost aufs Altenteil verlegen. Er hatte Preise gewonnen, wenn auch relativ wenige (z.B. 1946 in Cannes für Und es ward Licht; Ehren-CESAR 1986), und er hatte zahlreiche Funktionen ausgeübt, vom Präsident der Vereinigung französischer Film-Autoren (1965-67) bis zum Oberhaupt des "Institut des hautes études cinématographiques" (IDHEC), der renommierten Film-Hochschule der "Grande Nation". 100 wird jener Mann nun, der für das Kino lebte, und der Kino lebte. Kein Pop-Star der Leinwand, eher ein ruhiger Handwerker. Ein offensichtlich bewanderter Kommentator der Datenbank IMDb meinte, Delannoy wäre als einer der führenden Kräfte des fanzösischen Qualitäts-Kinos "von den Intellektuellen oftmals unfairerweise abgewiesen worden". Aber Kino ist erstens nicht ausschließlich für kluge Köpfe da, und zweitens dürfte mit diesem Beitrag der Beweis erbracht worden sein, dass er sowohl unterhalten als auch philosophieren konnte. Persönliches ist wenig bekannt, und auch Statements sind keine überliefert. So kommt dieses Porträt ein bisschen als "trockene" Materie einher, aber das gehört zu den Leiden des Film-Historikers nun einmal dazu. Wir haben für diesen Jean Delannoy gern gelitten ...
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FILME der 40er JAHRE von JEAN DELANNOY (nach älteren Film-Lexika)
Die Spielhölle von Macao (Macao, l'enfer du jeu von 1939, mit Erich von Stroheim und Mireille Balin) - Der zwielichtige Vater, in Waffen-Schmuggel, Drogen-Handel und Casino-Geschichten verwickelt, lebt im Streit mit seiner Tochter, die in Unkenntnis über sein Treiben aufgewachsen ist. Rivalisierende Banden und deren Kämpfe machen einem Journalisten das Leben schwer; es gelingt ihm aber schließlich doch, das Mädchen aus diesem fernöstlichen Sumpf herauszuholen. Der spannende und nicht gerade zartbesaitete Film macht durch seine Volten-reiche Handlung und das bizarre Dekor einiges an Ungereimtheiten wett. (Die Produktion von 1939 wurde erst 1942 uraufgeführt, nachdem alle Szenen mit Erich von Stroheim nachgedreht worden waren: Mit Pierre Renoir. Er lief in dieser Fassung erst nach der Befreiung Frankreichs und trug auch den Titel L'enfer du jeu.)
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Im Fieber der Liebe (Fièvres von 1941, mit Tino Rossi und Ginette Leclerc) - Der Abt eines Klosters erzählt einem zu ihm vor der Polizei geflüchteten Verletzten eine Geschichte, statt ihn der Justiz auszuliefern: Bruder Marco, der in der Kapelle singt, war einst ein berühmter Opern-Tenor in Paris, betrog seine Frau Maria mit einer amerikanischen Star-Sängerin, ist durch seine Luderigkeit schuld am Tod seiner Maria und geht ins Kloster. Der verletzte Flüchtling begreift die Lektion des Abtes, lässt sein Messer bei diesem zurück und geht geläutert von dannen ... Der sentimentale und verlogene Schwulstfilm ist, zu allem Überfluss, auch noch mit der schrillen Sanges-Kunst des Tenors unterlegt.
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Der ewige Bann (L'eternel retour von 1943, mit Madeleine Sologne und Jean Marais) - Patrice, der mit seinem verwitweten Onkel und dessen bösartiger Verwandtschaft auf einem Schloss in der Bretagne lebt, findet die blonde Nathalie als neue Frau für den Onkel. Ein Liebestrank enthüllt Patrice und Nathalie ihre Liebe. Durch die Ränke der Familie sterben beide ... Delannoy, für den Jean Cocteau die mythische Geschichte von Tristan und Isolde in die Jetzt-Zeit transportierte, hat, nicht zuletzt mit den hervorragenden Dialogen Cocteaus, einen sehr ernsten, bisweilen schwermütigen Film gedreht, bei dem die Dekors von Georges Wakhévitch und die Musik von Georges Auric eine große dramaturgische Rolle spielen. Thematik und Zwischentöne machen den Film zu einem wichtigen Dokument des französischen Kinos unter der Okkupation 1940 bis 1944.
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Ritter der Nacht (Le bossu von 1944, mit Pierre Blanchar und Yvonne Gaudeau) - Der Ritter Lagardère verspricht dem sterbenden Duc de Nevers, seine Tochter Aurore vor den Nachstellungen seines Feindes, des Prinzen de Gonzague, zu bewahren ... Eine schwachbrüstige Handlung, dünn inszeniert, schlechte Dialoge und grimassierende Theater-Schauspiel-Kunst. Neuverfilmt 1959 von André Hunebelle.
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Schatten über ein Frauenherz (Le part de l'ombre von 1945) - Ein berühmter Violinist schenkt seiner Tochter drei Ringe, die er als Erinnerung an drei große Leidenschaften in seinem Leben aufgehoben hat; er verbindet damit eine Auflage: Die Tochter darf sie nur an einen Mann weiterschenken, den sie wirklich geliebt hat. Die junge Frau gibt die drei Ringe einem Mann, den sie dreimal in ihrem Leben getroffen und geliebt hatte, der aber dieser Liebe nicht würdig war ... Jean Delannoy, ein sehr gewitzter Regisseur auch bei minderen Stoffen, hat diese nichtige Geschichte so überinszeniert, dass auch Jean-Louis Barrault und Edwige Feuillère nicht dazu passen wollen.
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Und es ward Licht (La symphonie pastorale von 1946, mit Pierre Blanchar und Michèle Morgan) - Der schweizer Pastor Jean Martin hat ein gehandicaptes und blindes Mädchen aufgenommen und wie eine Tochter mit seinen eigenen Kindern aufgezogen, gegen den Willen seiner ständig zänkischen Frau. Als das Mädchen Gertrude erwachsen ist, verliebt sich der Pastoren-Sohn Jacques in sie und will sie heiraten. Der Pastor zeigt eine plötzliche und sehr mekwürdige Form von Eifersucht; nach einer Operation sehend geworden, schwankt Gertrude zwischen ihrer Liebe zu Jacques und der Dankbarkeit für den Pastor. Sie wählt den Tod ... André Gides Roman hat Delannoy mit Blanchar und Morgan in den Hauptrollen zurückhaltend, glaubwürdig und sehr ruhig verfilmt. 1946 wurde der Film in Cannes mit zwei Preisen versehen.
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Das Spiel ist aus (Les jeux sont faits von 1947, mit Micheline Presle und Marcello Pagliero) - Irgendwo in einer faschistischen Diktatur: Eve, eine Dame der obersten Gesellschafts-Schicht, ist von ihrem Ehe-brecherischen Mann vergiftet worden; Pierre, ein Vorarbeiter und Anführer der Revolutionäre, ist aus dem Hinterhalt von einem rachsüchtigen Polizei-Spitzel erschossen worden. Beide treffen sich im Toten-Reich und erhalten von einer mysteriösen Registratur-Dame wegen eines Buchungs-Fehlers die Chance, unter die Lebenden zurückzukehren, wenn sie binnen 24 Stunden die ihnen vorherbestimmte Liebe zueinander in gegenseitigem Vertrauen ohne "Wenn und Aber" verwirklichen. Unüberwindliche Hindernisse - Milieu, Standes-Unterschiede, Pflichten - stellen sich ihnen in den Weg. Sie können nicht mehr eins werden und müssen zurück zu den Toten. Delannoy hat das von Sartre als Film-Erzählung konzipierte Original-Manuskript meisterhaft und getreu dem existenzialistischen Vorwurf inszeniert; die Ausweg-lose Situation, die zu dem Fazit "Das Spiel ist aus" führt, erfährt ihre einschränkende philosophische Berechtigung.
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Treffpunkt Rio (Aux yeux du souvenir von 1948, mit Jean Marais und Michèle Morgan) - Jacques Forestier hatte einmal ein kurzes, heftiges Liebes-Abenteuer mit Claire, die er jetzt als Stewardess wiedertrifft. Sie ist mit seinem Freund Pierre Aubry verlobt. Zwischen den Kurzzeit-Liebenden von einst erwacht eine neue Leidenschaft, vor deren Intensität Pierre sich in den Indochina-Krieg zurückzieht ... Die noble Drei-Groschen-Geschichte ist sehr anständig inszeniert, und Delannoy - als gewiefter Action-Regisseur, wenn er will - hat eine Beinahe-Luftkatastrophe sehr Wirkungs-voll eingebracht.
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Das Geheimnis von Mayerling (Le secret de Mayerling von 1949, mit Jean Marais, Jean Debucourt und Denise Benoit) - Delannoy stellt in dieser Verfilmung die These auf, dass am 30. Januar 1889 Kronprinz Rudolf von Habsburg und seine Geliebte Maria Vetsera nicht Selbstmord begangen haben, sondern aus Staats-politischen Gründen ermordet worden sind ... Die Rückblenden-Technik macht die filmische Erzählung unnötig kompliziert, dafür sind die Darstellung der Zeit und der Atmosphäre genau und unaufdringlich. Aber auch dieser Film spekuliert mit dem Mitgefühl für die armen adligen Liebenden - vgl. Anatole Litvaks Mayerling, 1936, und Rudolf Jugerts Kronprinz Rudolfs letzte Liebe, 1956; beide nehmen Selbstmord an.
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Gott braucht Menschen (Dieu a besoin des hommes von 1950, mit Pierre Fresnay, Madeleine Robinson und Daniel Gélin) - Auf der kleinen bretonischen Insel Sein sind die Bewohner (19. Jahrhundert) plötzlich ohne Pfarrer - den letzten haben sie durch ihre Starrköpfigkeit und Bosheit endgültig vertrieben. Vom Bedürfnis der Gemeinde getrieben und vom eigenen Ehrgeiz verlockt, eignet sich der Sakristan (Pierre Fresnay) die Funktionen des Priesters an. Er geht schließlich so weit, auch die Messe zelebrieren zu wollen. Doch vor diesem ärgsten Sakrileg kommt der neue Priester an, mit Gendarmen. Er verweigert einem Mutter-Mörder und Selbstmörder ein christliches Begräbnis. Die Bewohner fahren aufs Meer hinaus, wo sie den Toten dem Wasser übergeben, und kehren nach diesem Kompromiss zur Sonntags-Messe zurück: "Wir wollen versuchen, Verzeihung zu erlangen." (Im Original-Roman von Queffélec wird der Sakristan am Ende zum Priester geweiht, im Film verzichtet er darauf.) ... Delannoys schöner und Inhalts-reicher, auch mit kirchlichen Preisen ausgezeichneter Film war das meistdiskutierte Kino-Ereignis der Jahre 1950/52.
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Hafengasse 5 (Le garcon sauvage von 1951, mit Madeleine Robinson und Pierre-Michel Beck) - Marie verdient ihr Geld als Prostituierte im Marseiller Hafen und hat ihren kleinen Sohn zu Bauern in die Seealpen gegeben. Auf sein Drängeln hin holt sie ihn zu sich in die Stadt; er erlebt mit, in welcher Umgebung und wie seine Mutter arbeitet und lebt. Durch eine Falschgeld-Geschichte und einen Mord wird Marie gezwungen, ihren Sohn Simon auf eine lange Reise zu schicken, während sie auf ihren Liebhaber wartet ... Mit ziemlicher Frechheit bedient sich der Regisseur des kleinen Jungen, um ungestraft durchs Nutten-Milieu in Marseille zu ziehen. Die ganze Geschichte entblößt sich sehr schnell durch unvermittelte Spannungs-Einbrüche.
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Geständnis einer Nacht (La minute de vérité von 1952, mit Jean Gabin und Michèle Morgan) - Dr. Richard wird zu einem jungen Maler nach dessen Selbstmord-Versuch gerufen. dort entdeckt er, dass dieser der Geliebte seiner Frau war. In der langen Nacht des Wartens erzählt die Frau ihrem Mann, wie es dazu gekommen ist. Als Nachricht aus dem Krankenhaus kommt, dass der Maler gestorben ist, haben sich die Eheleute ausgesprochen und beschließen, ihre Vergangenheit zu vergessen und ihr Leben gemeinsam neu anzufangen ... Delannoy, der in den meisten seiner psychologischen Filme sehr genau Zustände und Menschen-Schicksale zu zeichnen pflegt, hat mit der gekonnten Verwendung von Rückblenden dieses Zwei-Personen-Dialogstück intensiv und glaubwürdig gezeichnet. Der Film wirkt besonders durch seine beiden glänzenden Darsteller überzeugend, routiniert und perfekt.
Esel, Quasimodo, Esel - und dann noch die "Lollo" als Esmeralda: Jean Delannoys bekanntester Film >>Der Glöckner von Notre-Dame<< aus dem Jahre 1956. (Fotos dieser Seite: Repro)
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Und also sprach
DAS DREHBUCH:
Yul Brynner: "Ich bin ein Verlorener."
Robert Fuller: "Rede doch keinen Unsinn, Chris. Jede gute Tat wird einmal belohnt."
(Aber wohl wirklich nur im Film - hier in Sach-
sen gibt's sowas nicht! Dialog aus >>Return of the Seven<< von Burt Kennedy; Szenen-Foto mit Fuller: sa-ex/TV.)
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