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Britischer Bericht von der Presse-Vorführung des Oliver Stone-Streifens "W."

Dass man im Lager der Republikaner über diesen Film mit Josh Brolin sehr amüsiert ist, darf bezweifelt werden.
(10/10/08) Dies ist einer der am Begierigsten erwarteten Filme des Wahl-Jahres: Ein Biopic über den republikanischen Inhaber des Präsidenten-Amtes, gedreht von einem streitbar "liberalen" Regisseur und das den Ausgang des Votums beeinflussen könnte. Endlich ist W., Oliver Stones Streifen über das Leben von George W. Bush, der Presse gezeigt worden, eine Woche vor dem offziellen Kino-Start. Der Film verfügt über alle Bestandteile der besten Psychodramen: Ein herrischer Vater, eine Tacheles redende Mutter, einen geliebten Sohn/Bruder sowie Gestalten wie kriecher und wahre Gläubige. Doch es ist der - mitunter echt schwarze - Humor, der dem Zuschauer im Gedächtnis haften bleibt. Bush, von Josh Brolin regelrecht unheimlich porträtiert, sagt "Guantanamero" statt "Gunatánamo"; sich mit Moses vergleichend ("er war kein sehr guter Redner, aber er wusste Bescheid") erklärt Bush seine eigene Berufung zum Politiker; und er stimmt mit seiner Gattin Laura überein, dass da Musical >>Cats<< etwas sei, für das er lange wachzubleiben gedenkt.
Doch das Werk, dessen Titel auf den Anfangsbuchstaben des mittleren Namen des Präsidenten (Walker) abzielt, scheint einem TV-Film ähnlicher als einem cineastischen Epos, und es wird die politische Landschaft vor der Wahl am 4. November keineswegs verändern. Stattdessen wird diese Arbeit Stones die Gefühle jener stärken, die der Annahme sind, Bush sei ein gefährlicher Inkompetenzling, und all jenen von der anderen Seite des politischen Spektrums Munition liefern, die sich bevorzugt um die Befangenheit liberaler Medien sorgen.
Stone begründet diese gegenteilige Sichtweise - wissentlich oder nicht - mit der politischen Naivität seines Protagonisten, mit einer Verspottung seines fehlenden Wissens über das politische Geschehen und seiner eingeschränkten Welt-Sicht. Brolins Bushs ermangelt es an Redewendungen in einer Hinsicht, die einem nur die republikanische Vizepräsidentschafts-Kandidatin Sarah Palin ins Gedächtnis ruft - Brolin parodiert sogar ein bisschen das Palin-typisches Zwinkern.
Auf die Frage, ob der Film als eine Art Einmischung in den Wahlkampf konzipiert worden sei, erwiderte der Donald Rumsfeld-Darsteller Scott Glenn: "Ich denke, es ist im Kontext der aktuellen Wahl für die Geschichte der Regierung sehr wichtig, sich der amerikanischen Bevölkerung voranzustellen. Es war interessant zu beobachten, wie das in Twin Falls, Idaho, funktionierte." Die teilweise komische Beschreibung moderner Geschichte in W. will viel Eindruck schinden. Tony Blair bekommt seinen Kurz-Auftritt, während vertraute Personen aus der 7-jährigen Amts-Zeit Bushs faktisch in jeder Ecke lauern. Doch übereinstimmend mit seinem "fratboy"-Image, wird Bush erstmals als Mittelpunkt einer von Schikanen begleiteten Zeremonie (oder Aufnahme-Prüfung) gezeigt, sitzend in einer Metall-Badewanne in Yale. Die Parallelen zum "waterboarding" (kürzlich an den öffentlichen Pranger gestellte Folter-Methode der CIA, bei der das Ertrinken simuliert wird/d. Red.) waren deutlich, obwohl der junge Mann in diesem Fall JACK DANIELS eingeflößt bekommt.
Die Universität Yale bietet eine faszinierende Vorgeschichte für Stones Auseinandersetzung mit der Story in W.: Beide nämlich - Stone und Bush - studierten dort zur gleichen Zeit, obwohl sie sich nie begegnet sind. Stone hatte berichtet, wie der damalige Kandidat eine Verbindung herstellte (von welcher der Regisseur gar nichts wusste), als sich beide anlässlich Bushs erstem Präsidentschafts-Wahlkampf anno 1999 begegneten. Bush, so Stone, kannte seine Filme.
Als sich ihre Wege trennten, ging der Eine (Stone) nach Vietnam und tauchte ab in Amerikas Radikalismus, während der Andere der Einberufung glänzend entging und es lernte, die Vorteile zu genießen, die der Stand seiner Familie ihm bot - trotzdem teilten beide einige Eigenschaften, die der Film hochspielt.
So begegnen wir Bush als Party-Löwe: Saufend, flirtend, von einem Job zum nächsten wechselnd. Diese Lust aufs genüssliche Leben führt zur Beschimpfung durch seinen Vater (dargestellt von James Cromwell), der die Worte gebraucht: "Was glaubst du, wer du bist!? Ein Kennedy?" Doch der missratene Sohn trifft die Frau seiner Träume: Laura Bush (gespielt von Elizabeth Banks) führt ihn aus der Finsternis und hilft ihm zum Licht wiedergeborener Regungen.
Es ist Bushs Mutter Barbara (Ellen Burstyn), die laut Drehbuch den meisten Text abbekommt. Konfrontiert mit der Idee, dass ihr Sohn vorhat, für den Gouverneurs-Posten zu kandidieren, empört sie sich: "Gouverneur von Texas? Du machst wohl Witze!"
Während sich sein Film JFK wegen der verschwörerischen Attentats-Theorien seines Machers als strittig erwies, gibt sich W. in Fragen der Beurteilung weitaus konventioneller. Den Kern des Psychodramas bildet Bushs Verhältnis zu seinem gebieterischen Vater. Wie es seine Gepflogenheit ist, erklärt Stone die Auseinandersetzungen beider mit schlichten Begriffen: Er lässt sie am Schluss zu einem imaginären Duell gegeneinander antreten.
Gezwungenermaßen - dies ist vermutlich eine Notwendigkeit, hervorgerufen durch die bevorstehende Wahl - wird der Film, dessen Dreharbeiten erst im Mai begonnen hatten, auf den Markt gebracht, bevor die Geschichte (der Amts-Zeit Bushs/d. Red.) zu Ende geht. Da "W" noch im Weißen Haus residiert, ist der letzte Akt erst noch zu schreiben.
(Dan Glaister für THE GUARDIAN aus Los Angeles/Übersetzung: SACHSEN-EXPRESS/F.H.)
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W. (USA 2008)
Regie: Oliver STONE
Drehbuch: Stanley WEISER
Produktion: Moritz BORMAN, Eric KOPELOFF, Bill BLOCK (u.a.)
Verleih: LIONSGATE (USA)
Kamera: Phedon PAPAMICHAEL
Musik: Paul CANTELON
Schnitt: Julie MONROE
Kosten: 30 Mio. Dollar (laut IMDb)
US-Kino-Start: 17. Oktober (für Deutschland liegt noch keine Angabe vor)
Rollen und ihre Darsteller:
George W. Bush .......... JOSH BROLIN
Laura Bush .................. ELIZABETH BANKS
Vater George H. Bush .. JAMES CROMWELL
Mutter Barbara Bush ..... ELLEN BURSTYN
Bruder Jeb Bush .......... JASON RITTER
Anita Bush .................. BRINKLEY A. MAGINNIS
Dick Cheney ................ RICHARD DREYFUSS
Condoleezza Rice ......... THANDIE NEWTON
Donald Rumsfeld .......... SCOTT GLENN
Paul Wolfowitz .............. DENNIS BOUTSIKARIS
George Tenet ............... BRUCE McGILL
Tony Blair .................... IOAN GRUFFUDD
Gen. Tommy Franks ..... MICHAEL GASTON
Gen. Colin Powell ......... JEFFREY WRIGHT
Jacques Chirac ............. CHARLES FATHY
Vladimir Putin ............... ALLAN KOLMAN
Earl Hudd ..................... STACY KEACH
Sorgte zuletzt mit einer Dokumentation über Fidel Castro für Aufsehen und belebt nun die Endphase des amerikanischen Präsidentschafts-Wahlkampfes: Top-Regisseur Oliver Stone. (Fotos dieser Seite: Repro)
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Und also sprach
DAS DREHBUCH:
Yul Brynner: "Ich bin ein Verlorener."
Robert Fuller: "Rede doch keinen Unsinn, Chris. Jede gute Tat wird einmal belohnt."
(Aber wohl wirklich nur im Film - hier in Sach-
sen gibt's sowas nicht! Dialog aus >>Return of the Seven<< von Burt Kennedy; Szenen-Foto mit Fuller: sa-ex/TV.)
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