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+ 2 OSCARs und eine Menge Beleidigungen: BETTE DAVIS zum 100. Geburtstag +

Die berühmte Hollywood-Schauspielerin in den Dreißigern: Besorgt am Box-Ring in >>Kid Galahad<< (großes Foto); noch Platin-blond in >>20000 Jahre in Sing Sing<< von Michael Curtiz (links) und in der berühmten Kniefall-Szene aus William Wylers >>Jezebel - Die boshafte Lady<< (alle Fotos: SACHSEN-EXPRESS/TV).
"THERE WAS MORE GOOD ACTING AT HOLLYWOOD PARTIES THAN EVER APPEARED ON THE SCREEN." (Bette Davis)
(sa-ex) Eines der ältesten, eines der beliebtesten Film-Sujets: Ein Frau zwischen zwei Männern. Der eine ist umtriebiger Box-Manager, der andere Page. Aber weil nach einer äußerst merkwürdigen Drehbuch-Logik (die wohl nur der Großstädter für plausibel halten mag) jeder Page irgendwann ein großer Boxer werden will, wird das Schicksal gleich zu Beginn des Streifens dieses Trio zusammenführen. Denn "Nicky" Donati, so heißt sich der Manager, ist in Party-Laune; obwohl er gerade sein neuestes Talent gefeuert weil eine Niederlage kassiert hat, wird in seinem Hotel-Apartment drei Tage lang gehurt und gesoffen. Leider lässt sich auch der dortige Bedienstete vom Durst aller anstecken, so dass Nick ihn ebenfalls feuern und ersetzen lässt. Der neue Page freilich ist ein gar zu unbedarftes Wesen: Nicht genug seines Nachnamens (Guisenberry), hat der Ärmste auch keine Ahnung vom Mixen irgendwelcher Getränke. Es ist halt sein erster Arbeitstag. "Fluff", so heißt Nicks Lebensgefährtin (denn verheiratet sind die Beiden nicht, worüber sie sich noch vor der Orgie lauthals beschwert), hat ein Einsehen mit dem charmanten Uniformierten. Die Stimmung ist bestens, bis Turkey Morgan und sein Anhang aufkreuzen - Turkey ist der Manager der Konkurrenz. Und beleidigt "Fluff" so stark, dass Ward (so der Vorname Guisenberrys) wie nebenbei den amtierenden Champion niederschlägt. Nick ist der gemachte Mann, scheint ihm doch endlich der erhoffte Typ ins Haus geschneit, der ihm den lange erhofften Champions-Segen bescheren kann. Doch die Dinge nehmen einen fatalen Lauf. Auf der Flucht vor dem Rache-süchtigen Turkey (mehr Gangster als Manager) landen Ward und Nicks Cheftrainer "Silver" erst in New York, dann auf dem Land bei Mutter Donati und Schwester Marie. Nick hat ihr zwar jeglichen Männer-Umgang untersagt, aber schnell entspinnt sich zwischen dem boxenden Pagen und der dörflichen Schönheit eine Romanze. Alsbald wird aus dem talentierten Burschen ein Star, doch unterdessen brökelt die Beziehung von "Nicky" und "Fluff", die unsterblich in den ebenso naiven wie gutherzigen Boxer verliebt ist. Schließlich ergreift sie die Flucht, betätigt sich wieder als Nachtclub-Sängerin. Ward zeigt Marie die Amüsements der "big city". Als Nick durch eine Zeitungs-Indiskretion davon erfährt, dreht er total durch und will auch Ward fallenlassen, am besten in einem (sportlich) verfrühten Fight gegen das Ass aus Turkeys Box-Stall, Chuck McGraw (er freilich ein Hemmungs-loser Säufer). Die Konkurrenz spielt mit; beide Promoter vereinbaren sogar gemeinsame Wetten - auf Wards Niederlage. Als der große Kampf startet, entlässt Nick seinen treuen Trainer "Silver", der natürlich mitbekommt, wie Ward mit völlig falschen Anweisungen ins Verderben geschickt werden soll. Erst als "Fluff" und Marie gemeinsam intervenieren (Ward ist fast halbtot, kämpft aber immer noch), ändert Nick doch noch seinen Kurs, was selbstredend Wards Sieg zur Folge hat. Jetzt ist Turkey außer Rand und Band, dringt in die Kabine des Champions und bittet zum Revolver-Duell, bei dem er und Nick sterben. "Fluff", die eigentlich Louise heißt, muss frustriert (als eigentlich Unterlegene) von dannen gehen ...
Keine Angst, liebe Leser: Das wird jetzt keine Abhandlung über jeden Film der unvergessenen Bette Davis. Das gänge bei knapp 100 Leinwand-Produktionen unter ihrer Mitwirkung auch schlecht. Aber es hilft vielleicht, ein besseres Verständnis zu diesem Phänomen aufzubauen. Davis war Vertrags-Angestellte der WARNER BROS., die auch für den oben beschriebenen Streifen Kid Galahad aus dem Jahre 1937 verantwortlich zeichneten. Die Davis, damals schon geraume Zeit ein akzeptierter Star, befand sich in bester schauspielerischer Gesellschaft: "Edel-Gangster" Edward G. Robinson reüssierte als Nick, und der von seinem einstigen Lieblings-Regisseur John Ford nicht mehr berücksichtigte Harry Carey (sen.) gab den sympathischen Coach "Silver". Die beiden Sportler hingegen waren "Frisch-Fleisch"; Wayne Morris (Ward) wurde nach lumpigen Nebenrollen auf eventuelles Star-Potenzial getestet, während William Haade (Chuck) - der später nur beim Billig-Studio REPUBLIC verkümmerte - gar erst debütierte. Von Turkey-Darsteller Humphrey Bogart wird noch zu reden sein.
Kid Galahad wurde, quasi im Doppelpack mit Marked Woman, auf dem ältesten Film-Festival - jenem in Venedig - gezeigt und bescherte der Hauptdarstellerin beider Streifen den begehrten VOLPI-Pokal. Da hatte sie schon ihren ersten OSCAR gewonnen, während der zweite alsbald folgen sollte. Bette Davis war fraglos der weibliche Super-Star von Tinseltown, was das Schauspielerische anbelangt - eine Göttin wie die Garbo, eine Diva wie die Dietrich war sie darob nie. Das die merkwürdige Krux ihrer Karriere, die sich freilich leicht erklären lässt: Seit jeher unterteilte sich die Damen-Schar des kalifornischen (und eigentlich Welt-weiten) Filmwesens in Aktricen, die wegen ihres attraktiven Aussehens Beschäftigung fanden; in solche, die wegen ihres erstklassigen Könnens begehrt waren, und natürlich auch in solche, die von beiden Dingen ein bisschen hatten. Die Davis war eine superbe Mimin, die in ihrer Jugend auch sehr, obschon eigenwillig schön war. Später hatte man immer ein wenig den Eindruck, ihr Gesicht würde immer kleiner, und ihre Augen immer größer. Was selbstredend Nonsens ist; die Augen waren seit jeher ihr hervorstechendstes Merkmal. So berühmt, dass man ihnen viele Jahre später (1974) einen Pop-Song widmete, der aber erst in der Kim Carnes-Version von 1981 zu Ruhm gelangte. Da übrigens lebte die Besungene noch.
Aber Bette Davis hatte weit mehr zu bieten als nur markante Augen - sie hatte Schneid zu einer Zeit, als Schneid in den Studios nicht sonderlich gefragt war. Schon gar nicht bei WARNER BROS., deren Eigenheiten man kennen muss, um die Verwerfungen in der Laufbahn ihres weiblichen Top-Stars besser zu ergründen. Denn die beiden Gebrüder Warner (gegründet worden war WB von vier Geschwistern, doch in der Folge stellten Harry und Jack die Spitze) waren in ihrer Unterschiedlichkeit kaum zu übertreffen. Harry M. Warner war ein ruhiger und besonnener Geschäftsmann, der frelich hauptsächlich vom Finanz-Zentrum New York aus operierte. Jack L. Warner hingegen residierte in den Studios an der Westküste und hatte sich nebst vielen anderen Extravaganzen vom jüdischen Glauben seiner Familie abgewendet. "Jack genoss den Glanz Hollywoods. Er bewunderte Männer wie Errol Flynn, der mit Leidenschaft und Erfolg Jagd auf Frauen machte. Da ihm das Charisma des Stars fehlte, nutzte er seine Stellung als Studio-Chef, um ganze Heerscharen von Frauen zu verführen und den zweifelhaften Ruf der 'Besetzungs-Couch' zu verbreiten", schreibt zum Beisiel der seriöse Historiker Michael E. Birdwell. In einem solch ungemütlichen Klima wirkte die Davis stets als Fremdkörper - beruflich top, aber andererseits immer wieder auf Konfrontation mit den Mächtigen, bis hin zu Klagen, mit denen sie seinerzeit keinen Erfolg haben konnte.
Ein bisschen schimmerte da vielleicht der (kurze) Einfluss des Vaters durch, der in Lowell im Bundes-Staat Massachusetts ein Patent-Anwalt gewesen war. Dort war Ruth Elizabeth geboren worden; vier Jahre später gesellte sich eine Schwester namens Barabara hinzu. Die Eltern ließen sich scheiden, als Ruth Elizabeth 7 Jahre alt war, und nach dem Schulbesuch in Lanesborough zog das Trio nach New York, wo die Mutter eine Anstellung als Portät-Fotographin fand. Die jetzt 13-jährigen Bette fand Gefallen an ersten Kino-Begnungen mit Mary Pickford und Rudolph Valentino, und schon jetzt wurde der Wunsch zur eigenen darstellerischen Zukunft gehegt, welcher sie nicht mehr loslassen sollte. Die Mutter legte ihr keine Steine in den Weg.
Zunächst jedoch ging es in die Internats-Schule nach Ashburnham, und erst eine Theater-Aufführung von Ibsens >>Die Wildente<< mit Peg Entwistle machte sie endgültig gefügig für den Job ihres Lebens. Auch die Ablehnung am renommierten Manhattan Civic Repertory konnte sie nicht aufhalten; sie fand Aufnahme an der Theater-Schule eines John Murray Anderson und bekam eine erste bescheidene Anstellung im Darsteller-Ensemble des damals noch nicht ganz so berühmten (und von der jungen Davis nicht sonderlich begeisterten) George Cukor, zu welchem in jenem Sommer 1928 auch Miriam Hopkins zählte, später eine der härtesten Rivalinnen unserer Heldin bei WB. 1929 ging es an den New Yorker Broadway, wo sich die Talente-Scouts Hollywoods die Klinke in die Hand gaben. Ein solchiger, in Diensten der UNIVERSAL, sah sie in >>Broken Dishes<< und >>Solid South<< und lud sie kurzerhand zu einem Leinwand-Test an die Pazifik-Küste ein.
Dieser soll ein ziemlicher Reinfall gewesen sein, doch es gab die berühmte zweite Gelegenheit. Die verstrich noch ungenutzter, hatte sich doch die Davis in aller Eile "in ein schlecht sitzendes Kostüm mit tiefem Ausschnitt" zwängen müssen und war so vor William Wyler erschienen, der laut vor dem Rest der Anwesenden protestierte: "Was halten Sie von solchen Weibsbildern, die ihre Brüste zeigen und glauben, sie könnten Rollen bekommen?" (Zitate nach der englischen WIKIPEDIA-Ausgabe). Ausgerechnet Wyler sollte später einer der bedeutendsten Bette Davis-Regisseure werden; den im Fischer-Milieu handelnden Streifen Der Mannsteufel (für den der Test stattfand) drehte der Elsässer 1931 freilich mit den heute längst vergessenen Weiblichkeiten Mary Foy und Vivien Oakland.
Carl Laemmle - wir sind wieder bei den Bossen - hatte die Angelegenheit Bette Davis damit für erledigt betrachtet, doch der Kameramann Karl Freund soll einen Einwand erhoben haben, ihrer "lovely eyes" wegen. Also kam die Enttäuschte doch noch vor das Objektiv Freunds und in The Bad Sister 1931 zu ihrem Leinwand-Debüt - die Hochstapler-Story mit Conrad Nagel indes floppte, und nach einem weiteren fünf Engagements in durchschnittlichen Produktionen fand sich die Blondine erst einmal auf der Straße wieder. Aber erneut gab es unerwartete Hilfe, diesmal in Gestalt des in jenen Tagen populären Akteurs George Arliss (hatte 1930 den OSCAR für seinen Disraeli gewonnen). Der Brite wollte die Nachwuchs-Hoffnung unbedingt für das Gehörlosen-Drama The Man Who Played God, und Produzent Darry F. Zanuck erhörte ihn. Mit Zanuck sind wir freilich bei WARNER BROS., und die Studios - die mit ihrem Schauspieler-Personal weiß Gott nicht zimperlich umgingen - ketteten Erfolgs-schwangere Kräfte sehr schnell mit Knebel-Verträgen an die jeweilige Gesellschaft.
So erging es auch der Schönen aus Massachusetts - zunächst unterschrieb sie für fünf Jahre. WB nahm in dieser Ära besonders viel Fahrt auf; man hatte durch die kluge Politik Harry Warners auch die härtesten Tage der noch immer anhaltenden Wirtschafts-Krise beinahe unbeschadet überstanden und setzte vor allem im Genre des Gangster-Films neue Maßstäbe. Es hatte freilich etwas prophetisches, als der junge Spencer Tracy ihr kurz vor seiner Hinrichtung in 20000 Jahre in Sing Sing (1932/Regie: Michael Curtiz) zuraunte, sie solle sich doch nicht so sehr um seinen Tod kümmern: "Du hast genug Sorgen mit den Lebenden".
Die bekommt sie reichlich, denn ihr durchaus ausgeprägtes Temperament geht von Fall zu Fall öfters mit ihr durch. 1934 wird für die Somerset Maugham-Adaption Of Human Bondage an RKO ausgeliehen, weil sich viele Kolleginnen geweigert hatten, einen solch unsympathischen Charakter wie den der schlampigen Kellnerin Mildred Rogers auszufüllen. Die Davis hätte schon dafür einen OSCAR verdient, doch in einem reichlich verworrenen Prozedere waren es wohl die WB-Bosse, die trotz zahlreicher "eingeschriebener Stimmen" eine Direkt-Kandidatur verhinderten - sie waren leidlich erbost über den Fakt, dass "ihre" Vertrags-Schauspielerin ihre bislang beste Leistung bei einem Konkurrenz-Studio abgeliefert hatte! Im Jahr darauf wurde sie "entschädigt" (die Liste der "Nachreiche-OSCARs" ist wirklich sehr lang), als ihr in Dangerous von Alfred E. Green erneut eine überzeugende Performance gelang.
Und trotzdem zeigt sich die Diva immer unzufriedener, will bessere Rollen, wohl auch mehr Gage. Nicht einmal die Sherwood-Verfilmung Der versteinerte Wald (1936/Regie: Archie L. Mayo) kann sie besänftigen, laut Jerzy Toeplitz "eine poetische Parabel. Nicht die hügelige Wüste von Arizona ist der Handlungsort, sondern das sich in harte, tote Felsen verwandelnde Amerika. Alle 'dramatis personae', mit Ausnahme der unschuldigen und naiven Kellnerin, sind Verurteilte." Auch Bette Davis wird alsbald verurteilt, von einem Gericht in London. Sie hatte eine Offerte für zwei britische Filme angenommen, war freilich im Wissen um den von ihr damit begangenen Vertrags-Bruch über Kanada ins Königreich regelrecht geflohen. Den von WB angestrengten Prozess verlor sie, doch zu ihrer eigenen Überraschung gab es nach ihrer Rückkehr bessere Angebote und auch etwas mehr Geld.
Selbst diese beste Phase ihrer Karriere war von mindestens einem Missklang begleitet - na klar doch, die pompöse Vom Winde verweht-Verfilmung stand an, und jede, aber wirklich JEDE Hollywood-Schauspielerin von einigem Rang war gierig nach der Rolle der Scarlett O'Hara. Auch die Davis, die schon ihres inzwischen erbeuteten zweiten Academy Awards wegen (für Jezebel - Die boshafte Lady (1938/Regie: W. Wyler) allererste Ansprüche auf den begehrtesten Film-Part aller Zeiten erhob. In manchen Quellen wird behauptet, dass Jezebel - ebenfalls ein klassisches Südstaaten-Melo - als Reaktion auf die Nicht-Berücksichtigung der WARNER-Heroine für die Scarlett entstand, doch das ist schlichtweg unmöglich: David O. Selznick hatte sich erst im Dezember 1938 für die (in Amerika unbekannte) Engländerin Vivien Leigh entschieden. Da war Jezebel längst "in Sack und Tüten".
Interessanter ist eine andere Rand-Episode: WARNER BROS. hätte die Davis ohnehin nur im Paket mit ihrem männlichen Top-Star Errol Flynn (als Rhett Butler) an Selznick verliehen. Das freilich wurde nicht nur vom Letztgenannten kategorisch abgelehnt, sondern auch von der Davis selbst, die den im Abenteuer-Genre aufgestiegenen australischen Super-Macho für den Tod nicht ausstehen konnte ... wie so viele ihrer anderen männlichen Film-Partner auch nicht. Über Humphrey Bogart sagte sie: "Er ist grob, arrogant und mürrisch. Seine schlechten Manieren und seine schlechte Laune, seine Trinkerei: Alles in allem war er einfach furchtbar langweilig." Und über Ronald Reagan (mit dem sie 1939 in Edmund Gouldings Edel-Schmonzette Opfer einer großen Liebe vor der Kamera stand) meinte sie geifernd: "Er war ein dummer, kleiner Junge." Nein, einfach hat sie es sich nie gemacht, weder sich noch den Anderen.
Mit Bogart freilich ist das so eine Sache. Sechsmal standen sie in der selben Cast, was aber bei den Mechanismen des Studio-Systems inklusive der perfektionierten Fließband-Produktion (heute undenkbar) nicht weiter verwunderte und außerdem nichts zu bedeuten hatte; nur in Marked Woman geben beide die Protagonisten; "Bogie" übrigens ausnahmsweise in einer sympathischen Rolle als Bezirks-Staatsanwalts. Bogart jedoch teilte bei aller Unterschiedlichkeit - auch in Bezug auf das künstlerische Potenzial - mit der Davis den Frust über die Verhältnisse im Studio. Es ist überliefert, dass er unzählige Male gegen sein laues Gangster-Dasein protestierte, mehrheitlich ohne Erfolg. Es mussten erst Genies wie Raoul Walsh und John Huston kommen, um ihn aus seinem Schatten-Dasein herauszubefördern.
Das hatte Bette Davis Anfang der Vierziger nicht mehr nötig: Sie war trotz aller Unebenheiten eine der Königinnen in der "Stadt der Illusionen" und glaubte, es sei an der Zeit, sich auch mal ums Private zu kümmern. Die erste Ehe mit ihrer Jugend-Bekanntschaft Harmon Nelson war 1938 geschieden worden, doch auch die folgenden drei Anläufe - der letzte mit dem Berufs-Kollegen Gary Merrill - scheiterten mehr oder weniger kläglich. Darüber hinaus werden ihr Affären mit Howard Hughes (?) und William Wyler nachgesagt, wobei Wyler tatsächlich als ihre ganz große Liebe gelten darf, was sich auch in der erstklassigen Zusammenarbeit bei Jezebel, Das Geheimnis von Malampur (1940) und Die kleinen Füchse (1941) ablesen lässt. Bei Letzterem, Bearbeitung eines Hellman-Stückes, war es dann aber auch zwischen diesen Beiden zum erbitterten Zwist gekommen (offensichtlich verhinderte das Schwierige in der Person von Bette Davis einen jederzeit gerechtfertigten dritten OSCAR; immerhin gab es ab 1940 acht weitere Nominierungen!), den die Aktrice allerdings so analysierte: "Ich hatte einen Kampf verloren, aber ich hatte ihn gegen ein Genie verloren. Viele meiner Regisseure waren so schwach, dass ich das Ruder übernehmen musste, Phantasie-los, unsicher, voller Angst, sich zu widersetzen, haben sie mir nichts von den Sicherheiten gegeben, die dieser Tyrann mir gegeben hat. (...) Ich wäre in den Hudson gesprungen, wenn dieser Mann es mir befohlen hätte." Hat er aber nicht, wiewohl ja Wyler bei allem Intellekt sowieso dafür bekannt war, speziell seine Hauptdarstellerinnen bis zum Äußersten zu treiben, um einen simplen Effekt zu erzielen.
In den Kriegsjahren machte sie auch durch die Eröffnung und Leitung der soganannten "Hollywood Canteen" von sich reden. Davis und John Garfield hatten die Idee zur Umgestaltung eines alten Nacht-Clubs in einen Treff für Soldaten gemacht, die auf Heimat-Urlaub oder in den Pazifik unterwegs waren und neben der - übrigens Alkohl-freien - Verköstigung von der Elite des US-Entertainments unterhalten wurden. Die Lokalität am Cahuenga Boulevard hatte am 17. Oktober 1942 geöffnet und war ein großer Magnet, weil sich alle angesagten Diven der Film-Metropole (je nach Anwesenheit natürlich) von den GIs sogar zu einem Tänzchen einladen ließen: Neben der Davis auch Greta Garbo, Marlene Dietrich, Olivia de Havilland, Joan Crawford, Hedy Lamarr, Gene Tierney und Betty Grable, wie Joseph McBride zu berichten weiß. Ein heute unvorstellbarer "Service" am Krieger - freilich ist der Irak-Feldzug in der Sache auch weitaus ungerechter als das mörderische Treiben von damals.
In Job-Fragen war sie auf dem Olymp. Allein die drei Wylers hatten die bereits Gekrönte noch heller erstrahlen lassen. Der geschätzte Kollege Norbert Grob schreibt in seiner Wyler-Biographie: "Die drei Bette Davis-Filme loten das Äußerste aus, das Ungestüme der Julie, das Obsessive der Leslie, die Macht- und Geld-Besessenheit der Regina. Keine der drei Frauen hat einen Zweifel daran, dass sie bestimmt, wa sin ihrer Welt gestattet ist und was nicht." Jezebel enthält eine der melodaramtischsten Szenen der gesamten Film-Geschichte überhaupt: Julie (Davis) empfängt ihre Ex-Liebe Preston (Henry Fonda) nach Jahren auf ihrem Südstaaten-Sitz. Sie weiß nicht, dass er verheiratet ist, und zieht ein Blüten-weißes Kleid an. Vor Jahren hatte sie Preston gekränkt, weil sie auf einem Ball in New Orleans aus lauter Provokation ein rotes Kostüm trägt (als Ledige hätte sie aber Weiß tragen müssen). Nun aber, da er sie abweist, wirft sie sich vor ihm nieder - in dieses nach unten hin sehr breite Stoffgemenge. Ein phänomenaler Anblick. Nur das Genie Wilder und die souveräne Spielweise der Davis machen aus einer durch und durch kitschigen Geste ein Highlight der Leinwand-Historie. "Davis und Fonda retten den Film vor dem absoluten Mittelmaß", urteilte das HEYNE->>Filmlexikon<< leicht ungerecht; Wyler hätte sich nie mit (thematischem) Mittelmaß abgegeben, schon gar nicht bei den damals zwangsläufig "hotten" Südstaaten-Stoffen. Das Ende von Jezebel? Die Davis folgt Fonda in den Gelbfieber-Tod. Klar doch, Marlene Dietrich folgte Gary Cooper in die Wüste ...
Der Erfolg will nicht enden. Auch als das Melodram gegen Ende und nach dem II. Weltkrieg nicht mehr in Mode ist, als die "schwarzen Krimis" eher für Barbara Stanwyck, Gene Tierney, Veronica Lake, kaum aber für die Davis Verwendung haben: Die schauspielerische Aura ist ungebrochen. Irving Rappers Reise in die Vergangenheit (1942, mit Paul Henreid), Vincent Shermans Mrs. Skeffington (1944, mit Claude Rains), Das grüne Korn (1945, erneut unter Rapper) und Curtis Bernhardts Die große Lüge (1946) mit dem jungen Glenn Ford. Diese Frau ist nicht unterzukriegen, und als sie Ende der Vierziger doch ihrem Abgesang entgegenzutaumeln scheint, kommt ein cleverer Typ wie Joseph L. Mankiewicz auf die Idee zu Alles über Eva (1950). Hellmuth Karasek voller Ehrfurcht: "Ähnlich wie bei Sunset Boulevard (den gibt's aber erst zwei Jahre später/d. Red.) geht es in Alles über Eva um das Altern und Abtreten einer Schauspielerin - Bette Davis, die als 42-jährige Film-Diva eine 40-jährige Theater-Diva spielt (eine fulminante, ergreifende, vor Energie knisternde, den Film souverän beherrschende Rolle), findet schließlich Halt in der Tatsache, dass sie die wichtigste Rolle als liebende und geliebte Ehefrau sucht."
In Wirklichkeit war ihr solches Glück indes nicht vergönnt, wiewohl sie im Alter gestand, stets der Karriere den Vorzug gegeben zu haben. Und so sah man sie altern vor der Kamera, manchmal gar gespenstisch: Robert Aldrichs Was geschah wirklich mit Baby Jane? von 1962 als boshaftes Meisterstück, worin sie ihrer privaten Abneigung gegenüber der (drei Jahre älteren) Joan Crawford gewaltig Zucker geben konnte. "Ich würde nicht einmal auf sie pissen, wenn sie brennen würde", soll Bette Davis die ungeliebte Kollegin einmal beschimpft haben. Mut zur Hässlichkeit - vor und hinter der Kamera. Das war Bette Davis' markanteste Eigenschaft. Kurz vor Baby Jane war sie - bis dato unvorstellbar - sogar in der Western-Serie >>Wagon Train<< aufgetreten. Diese Frau hat einfach alle Register gezogen, die es zu ziehen gab. Den fiesen Part der ihren klumpfüßigen Verehrer - einen Maler - zum Narren haltenden Teestuben-Kellnerin Mildred aus Of Human Bondage nahm sie aus einem schauspielerischen Selbstverständnis heraus, gepaart mit Instinkt, an. In Günstling einer Königin (1939) trug sie als Queen Elizabeth ein nachgeradezu hässliches Make-up, mit weiß-gepudertem Gesicht auf rotem Haar. Olivia de Havilland kniet vor ihr, fleht um das Leben des Earl of Essex alias Errol Flynn. Es ist nicht überliefert, aber gut möglich, dass die Davis diese Maskerade selbst gewollt hat - aus Frust über die entgangene Gone With the Wind-Chance UND über Flynn, dem sie erst aus der zeitlichen Distanz einigen Respekt zollte. Wen wunderten da noch die abstoßenden Augen-Umrandungen nebst unwirklicher Lippen-Zeichnungen und Schüttelfrisur aus Baby Jane? (Niemanden, der etwas von Film als Kunst versteht.)
Geändert hat sich die Darstellerin auch im Alter nicht, wie eine letzte Episode belegt, die uns James Stewart-Biograph Donald Dewey überliefert: "Stewarts Enthusiasmus für das Film-Projekt war so groß, dass er bereits am ersten Drehtag sein gesamtes Skript auswendig konnte. Doch Davis versuchte sofort, den Ton anzugeben, und fing mit einem Team-Mitglied Streit an, wie sie es schon seit Jahrzehnten tat. In den folgenden Drehtagen verschonte sie nur Stewart mit ihrer Streitsucht, der normalerweise, verwirrt über ihre grotesken Zwischenspiele, abseits saß." Am Ende des Weges hieß der TV-Film von 1983, der ein wenig mit dem Erfolg von Am goldenen See (1981) kokettierte. Ihr Weg endete so merkwürdig, wie vieles in ihrem Leben war und blieb; eingeladen zu einer Ehrung auf das Festival im spanischen San Sebastian, wurde sie während des Aufenthaltes so schwach, dass sie nich einmal mehr die Rückreise antreten konnte. Sie starb am 6. Oktober 1989 in einem Krankenhaus im französischen Neuilly-sur-Seine.
In Jezebel sagt Henry Fonda an einer Stelle: "Auch ein Bankier hat Erinnerungen." Worauf die Davis kontert: "Er sollte sie vergessen oder darüber lachen." Wir wissen nicht, wie sie mit ihren eigenen Erinnerungen umgegangen ist. In jedem Fall war es ein extrem Arbeits-intensives, extrem kämpferisches Leben. Schauspielerisch konnte ihr in ihren Glanz-Zeiten wohl nur noch Katharine Hepburn die Klinge reichen - der Rest von Hollywoods Darstellerinnen-Riege der legendären Dreißiger und Vierziger blieb mehr oder weniger deutlich zurück. Aber gut im Beruf zu sein, genügte in dieser Welt der Halbgötter und Halbgöttinnen nicht unbedingt. Am Ende des Tages, am Ende des Lebens bleibt nur das Ende von Kid Galahad: Eine einsame Frau geht gemäßigten Schrittes aus dem Bild. Nicht nur, weil sie beide Männer ihrer Wahl verloren hat. Sondern auch, weil außerhalb der Studio-Scheinwerfer stets eine wirklich andere Wirklichkeit wartete ...
Oben: Mit Errol Flynn in >>Günstling einer Königin<< von 1939; darunter beinahe unerkennbar in >>Was geschah wirklich mit Baby Jane?<< von Robert Aldrich, und links kurz vor ihrem Tod im Jahre 1987. (Fotos: 2x SACHSEN-EXPRESS/TV und Repro)
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Und also sprach
DAS DREHBUCH:
Yul Brynner: "Ich bin ein Verlorener."
Robert Fuller: "Rede doch keinen Unsinn, Chris. Jede gute Tat wird einmal belohnt."
(Aber wohl wirklich nur im Film - hier in Sach-
sen gibt's sowas nicht! Dialog aus >>Return of the Seven<< von Burt Kennedy; Szenen-Foto mit Fuller: sa-ex/TV.)
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