Sachsen-Express
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+++ INFORMATIONEN-ALLERLEI aus der Kreis- und Lessingstadt KAMENZ +++

Blick auf einen Abschnitt der neu asphaltierten Neschwitzer Straße, die am 10. Oktober übergeben wurde.


VON NEUEN STRASSEN, LEGEHENNEN, INNENSTADT-ZULÄUFERN & MUSEUMS-VISIONEN

(sa-ex) Mit einem zünftigen Straßen-Fest feierten die Bewohner des nach Deutschbaselitz hinausführenden nordöstlichen Stadt-Teils Jesau unlängst die Fertigstellung des letzten Abschnitts der durch die Ortslage führenden Neschwitzer Straße. Geplant war deren Erneuerung schon um 2002 worden, damals noch im Zuge der Erschließung des Verwaltungs-Zentrums auf der angrenzenden Macher-Straße (welches jetzt bekanntlich durch den Kreisgebiets-Irrsinn der langsamen Verrottung preisgegeben wird). Bürgermeister Roland Dantz, der als Sozius auf einem Motorbike als einer der Ersten die neue Strecke befuhr, zeigte sich erleichtert über die vorfristige Übergabe des 1,8 Millionen-Projekts - immerhin waren, wie stets im kommunalen Straßen-Bau, erhebliche Einschränkungen für die Einwohnerschaft aufgetreten. Aber nicht deshalb, sondern wegen der Vermeidung von Arbeiten im Winter war die ausführende Firma seit Juni in den Zwei-Schicht-Rhythmus übergegangen.

Wo viel Freude ist, mag der Ärger gleich um die Ecke lauern: Tatsächlich gibt es unweit von Jesau reichlich Ungemach, im nur wenige hundert Meter entfernten Deutschbaselitz. Das Gezänk entspann sich schon vor Längerem um das angedachte Projekt einer Legehennen-Anlage direkt vor den Toren des Orts-Teils mit dem weithin bekannten Großteich. Das Ganze auf einem Grundstück, dass von den dort Lebenden wahlweise als "Schindlers Wiese" oder aber als "da, wo die Schwäne sind" apostrophiert wird, wobei Bürgermeister Dantz auf der Stadtrats-Sitzung zu der biologisch-süffisanten Berichtigung kam, dass "Schwäne mal da und mal da sind". Wohl wahr. Das Parlament beschäftigte sich mit dem Zwist, indem es zum (vorhandenen) Bebauungs-Plan eine sogenannte "Veränderungs-Sperre" erließ, um ein Mittel in der Hand zu haben, um einer "Zersiedlung der Landschaft" entgegenzuwirken. Diesen Beschluss näher zu erläutern, verbietet sich kategorisch: Die Debatte und auch das dazugehörige Info-Material sind in einem derartigen Beamten-Kauderwelsch geführt worden bzw. gehalten, dass es zehn Semester Tag- und Nacht-Studiums bedürfte, Alles einigermaßen zu verstehen. Und wohl nochmal drei Semester, um zu ergründen, wieso die simple "Erstellung einer B-Planung" schlaksige 10000 Euro kosten muss ... Gakt aber ist, dass das Volk mal wieder (ganz, ganz sanft) revoltiert; da ist von Geruchs-Belästigungen die Rede und von der Sorge um die Lebens-Qualität. Und vielleicht gibt's auch Ärger mit der Lärm-Verträglichkeit, denn Hühner sind nicht gerade für ihre Stummheit bekannt. 33000 Stück sollen es übrigens nach inoffiziellen Angaben werden. Der zuständige Geschäftsführer - der Investor ist ein Tochter-Unternehmen der LSL RHEIN-MAIN GEFLÜGELVERMEHRUNG GmbH & Co. KG - zeigte inzwischen wenig Verständnis für den (einstimmigen) Stadtrats-Beschluss, weil er doch ohnehin schon erheblichen Einschränkungen in Bezug auf die Standort-Wahl auferlegt bekommt. Leider mussten wir wieder in anderen Quellen recherchieren, um zwei Aspekte zu vermitteln, die im Rathaus wie in den Artikeln etwa des journalistisch primitiven OBERLAUSITZER KURIERS völlig ausgeklammert wurden: Erstens geht es hier nicht um die Eier-Produktion für den Super-Markt nebenan, sondern für die Gewinnung von Impfstoffen. So werden vom Investor jährlich knapp 20 Mio. vorgebrüteter Eier an ein Dresdner Pharma-Unternehmen geliefert. Und Zweitens erfolgte diese Lieferung bislang fast auschließlich aus "Wessi"-Land. Dem soll mit vier Anlagen im Sächsischen - drei Legehennen-Ställe plus der schon seit Frühjahr 2008 in Betrieb befindlichen Großbrüterei zu Burkau - abgeholfen werden. Mit den beiden Senfstadt-nahen Standorten Techritz (bei Gnaschwitz) und Göda-Leutwitz hatte RHEIN-MAIN GEFLÜGELVERMEHRUNG angeblich keine Probleme. Dass derolei Fakten die Bedenken der Deutschbaselitzer zerstreuen werden, ist kaum anzunehmen - sie gehören wenigstens mal erwähnt. Eine in der Zwischenzeit gegründete Bürger-Initiative will der Verhinderung des Ansiedlungs-Ansinnens zusätzlichen Nachdruck verleihen.

Da wir bei den Kamenzer Rand-Gebieten sind: Auch die Grundschule "Sophie Scholl" in Wiesa will und will nicht zur Ruhe kommen. Gerade beschloss der Stadtrat eine überplanmäßige Ausgabe in Höhe von 180000 Euro, da intervenierte die geschrumpfte Konservativen-Abteilung aufs Neue. Wie hatten ja von der Frechheit zweier nicht mehr wiedergewählter Kommunal-Politiker berichtet, die per geheimer Intervention eine Finanz-Spritze aus dem Konjunktur-Paket II für das dringend Sanierungs-bedürftige Objekt torpedieren wollten. Hintergrund sei eine zu erwartende neuerliche Schulnetz-Planung, der dann auch Wiesa zum Opfer fallen soll. Weil schon die letzte Planung dieser Art eine Idiotie sondersgleichen mit ersten üblen Auswirkungen war (z.B. keine Unterbringungs-Möglichkeiten für die Haselbachtaler Grundschüler), befürchten die verwantwortlichen Pädagogen wie auch die Eltern erneut Schlimmstes. Die Himmel-schreiende Arroganz der Schwarzen-Macht kennt freilich weder Moral noch Anstand; zwar wurden sämtliche Unions-Stadträte unlängst ausgetauscht, doch auch der Geist der neuen ist scheinbar so krank wie jener der vorherigen. Matthias Bosch jedenfalls drückte sich im Vergleich zu Norbert Adler (siehe HEIMAT-Seite vom 6. Juni!) zwar deutlich moderater aus, um doch den gleichen perversen Inhalt zu kolportieren. Bedenken habe er, Bedenken wegen der "Einzügigkeit" und wegen der "Vorfinanzierung einer eventuellen Nachnutzung" - das impliziert, obschon nicht offen ausgesprochen, nichts Anderes als die sichere Schließung der Wiesaer Unterrichts-Einrichtung. Und die muss ja auch sein, denn Bosch sprach beinahe unbemerkt das Fatalistischste aus, was man sich zu diesem Streit denken kann: "Der Zuzug ist künftig in die Innenstädte zu lenken." Klar doch: Unsere Kinder sollen nichts lernen - sie sollen das bitter erheulte (oder bisweilen geklaute) Taschengeld in die Markt-nahen Geschäfte schaffen. Das ist CDU-Politik von heute. Ob unser Nachwuchs aus 5 plus 5 gleich 13 macht, ist vollkommen nebensächlich - der Euro muss fließen, sonst gar nichts. Das mit "Pisa" bekommen die Schwindler der Statistik-Abteilungen schon irgendwie hin; im öffentlichen Lügen sind wir Sachsen ohnehin absolute Weltklasse, gedenkt man nur der absurden Arbeitlslosen-Zahlen. Nun denn: Wird also auch Wiesa demnächst "eingeäschert". Das Statement der LINKEN-Abgeordneten Annett Merbitz - "eine Schließung ist ohne Stadtrats-Einwilligung gar nicht möglich" - ist frommer und unrealistischer als das allsonntägliche Gebet unseres Sorben-MiPrä Stanislau: Bis jetzt hat die Regierungs-Partei noch immer jeden das Volk beschädigenden Beschluss (siehe Kreisgebiets-Faschismus) mit krimineller Erpressungs-Diplomatie durchgesetzt. Jeder Mafiosi in Palermo wäre stolz und glücklich, so freihändig hantieren zu können wie die sächsische Union ...

Gut: Nach einmal Gutem und zweimal Bösem zum Abschluss noch was (hoffentlich) Gutes. Seit der öffentlichen Anteilnahme am 70. Geburtstag von Georg Baselitz im Januar 2008 und den dabei laut vorgetragenen Visionen bzüglich eines Umbaus des ehemaligen Krankenhauses Am Damm zu einem Kunst-Museum mit Schwerpunkt auf den renommierten Künstler war es verdammt ruhig geworden. Allerdings habe, so verlautete es Anfang September, eine Art "Diplomatie im Stillen" stattgefunden, mit dem Ergebnis, dass es endlich Ergebnisse gibt. Die Lessingstadt, Bund, Freistaat und selbst der "FaGaunaWidu" hätten sich auf Eckpunkte einer 6 Millionen-Euro-Investition geeinigt. Konsens herrsche außerdem darüber, die Betreibung des fertigen Objekts über eine Stiftung zu realisieren; als Kuratorin ist die aus Schwaben stammende, allerdings schon lange in Chemnitz wirkende Ingrid Mössinger gewonnen worden. Eine Lady mit reichlich vorgeschossenen Lorbeeren; die renommierte, mit hiesigen Presse-Produukten nicht eben vergleichbare Tages-Zeitung DIE WELT betitelte Mössinger als "die besessene Kunst-Queen von Sachsen" ("Queen" stammt - dies für alle Unkundigen - aus dem Englischen und heißt auf Deutsch schlichtweg "Königin"). Das muss ja gutwerden ...


Von der Fassade des früheren "Barmherzigkeitstiftes" grüßt Georg Baselitz schon. Ob auch das Innere des ehemaligen Krankenhauses mit neuem, künstlerischen Leben erfüllt werden kann, entscheiden in Bälde diverse Gremien. (Fotos dieser Seite: SACHSEN-EXPRESS/F.H.)













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