Sachsen-Express
+ + + DER BESTE JOURNALISMUS AUS DEM OSTEN + + +
 

+ Von der jüngsten STADTRATS-SITZUNG in der Lessingstadt KAMENZ berichtet +

Dunkle Wolken über Kamenz? Nun, die kommen hauptsächlich durch die Kreise-Missbildung zustande. Das nunmehr scheidende Stadt-Parlament konnte einen Großteil seiner vernünftigen Arbeit noch "in Freiheit" erledigen.


"SUCHET DER STADT BESTES"? - NICHT JEDER ABGEORDNETE HATTE GUTES IM SINN


(sa-ex) Die marmorne Kugel im Innenhof des Kamenzer Rathaus dreht sich. Unentwegt. Ein bizarres Schauspiel, denn der runde Koloss wird, so scheint's, nur von Wasser bewegt. Wasser spielt auch in der Rede von Bürgermeister Roland Dantz eine Rolle. Auf den Tagesordnungs-Punkt 4 der letzten Zusammenkunft des scheidenden Parlaments hat er kurzerhand wiewohl plausibel ein Resümee seiner Amts-Zeit gesetzt, die ja nicht zu Ende geht. Nur die seiner Stadträte. Komisch ist und bleibt dieser Mix aus unterschiedlichen Politik-Perioden. Aber egal. Ganz an den Schluss seiner Ausführungen setzt er ein Zitat der alten Griechen (jedenfalls wird es ihnen mehrheitlich zugeschrieben; es gibt auch Quellen, die von einem indischen Ursprung ausgehen): "Man steigt nicht zweimal in den gleichen Fluss." Wie er das wohl gemeint hat? Die Metapher ist schwer zu enträtseln. Wie überhaupt die Rede einmal mehr überfrachtet war mit altehrwürdigem Verbalgut, vom Propheten Jeremiah ("Suchet der Stadt Bestes!") bis zu Kant - vielleicht findet sich demnächst einmal ein Weiser, der ihm (oder seinem "Ghostwriter") nahelegt, dass derolei Bonmots gewiss im Rahmen der Lessing-Tage oder bei sonstigen kulturellen Events einigermaßen gut ankommen, nicht aber vor versammelter Stadtrats-Meute, die wenig Gehör für solche Feingeistigkeiten hat. Auch nicht haben kann: In vier Tagen ist Wahl, und kaum jemand im offiziell 22-köpfigen Rund kann sich seiner Wieder-Niederkunft zur nächsten Tagung sicher sein.

Das vermutlich meinte der Dantz'sche Ausflug in das Reich der nassen Füße: Seine Kommunalpolitiker werden zu einem nicht geringen Teil andere Gesichter haben. Einige hören freiwillig auf (Dr. Klaus Krah/CDU aus Alters-Gründen, auch der einzige SPD-Abgeordnete Frank Freudenberg). Andere haben sich selbst disqualifiziert - prinzipiell die komplette CDU-Fraktion, die für den wissentlichen Verrat in der Frage des Kreis-Sitzes bzw. in der Ammen-doofen Gefolgschaft bei der vorausgegangenen Kreisgebiets-Verhökerung brutalstens abgestraft gehört! Solche Leute dienen nicht dem Wohl des Volkes - sie haben den ganz wenigen Nutznießern des Irrsinns, den Energie- und Müll-Monopolisten sowie ein paar Büro-Kriegern in die gezinkten Karten gespielt. Pfui und nochmals pfui! Die ersten kleinen Negativ-Auswirkungen gibt es längst, und viele mehr werden in den nächsten Jahren folgen, sollten die Schwarzen weiter am Ruder bleiben, wozu sie vermutlich auch schon beim Urnen-Gang zu unlauteren Mitteln greifen, wie die letzte Kommunal-Wahl eindeutig unterstrich - 55 Prozent für einen Wanderprediger aus Sohland, der es im Normalfall auf höchstens 25 gebracht hätte? Da musste selbst Stanislau Tillich lachen und ins ARD-Mikrophon plustern: "Wir haben die Landräte bestimmt." Wozu dann noch wählen ... oder anders: Seid wachsam, liebe Lessingstädter (und im übrigen Sachsen)!

Es war die Kreisgebiets-Verunstaltung, die große Schatten auf den Stadtrat warf. Dantz zählte auf, was in den fünf Jahren geschaffen wurde: Vom neuen Feuerwehr-Gerätehaus auf der Güterbahnhof-Straße über die renovierten Schulen, den neu gestaltenen Böhnisch-Platz, den Brauerei-Abriss hin zum neu gestalteten Stadion u.a.m. Es klingt eigentlich nicht viel, aber in diesen schwierigen Zeiten war es doch beachtlich. Es wird die letzte Blüte Kamenzer Schaffenskraft gewesen sein; mit der diktatorischen Bautzner Regentschaft wird die hübsche Stadt am Hutberg vom Geld-Fluss abgeschnitten, nur noch tröpfenweise bedient. Schande über die Staatsregierung und all jene, die solche bürokratisch verordnete Zwangs-Verarmung von Kommunen mitgetragen haben! Jeder künftige NPD-Abgeordnete (so denn welche gewählt werden, wovon zahlreiche Vermutungen ausgehen) dürfte mehr Grips und mehr Liebe zur eigenen Stadt besitzen als jene 8er-Fraktion der Christdemokraten, die null-komma-nichts gegen die jetzt allgegenwärtigen, von der Senfstadt ausgehenden Gefahren unternahm.

Denn mehr noch als das finanzielle Leid, das jener "FaGaunaWidu" über die Bevölkerung der Westlausitz bringen wird (und teilweise schon gebracht hat), erschrecken uns Journalisten - jedenfalls jene, die dem üblen politischen Zinnober nach wie vor neutral gegenüberstehen, wozu die CDU-gleichgeschalteten Redakteure der SÄCHSISCHEN ZEITUNG längst nicht mehr gehören! - die menschlichen Deformationen. Kamenz und sein Stadtrat boten hierfür krasseste Beispiele. Noch während des Vortrags des Bürgermeisters schlich sich Norbert Adler in den Sitzungs-Saal, wenig später seine Bank- und Bündnis-Nachbarin Steffi Kronenberg. Sie kamen aus gutem Grund zu spät, doch dazu mehr nach ein paar prinzipiellen Erläuterungen. Das ungleiche Paar bildet seit geraumer Zeit den Zweier-Pakt "Kamenz/direkt" und fiel seither durch extrem provokante Rede- bzw. Diskussions-Beiträge auf. Nun ist das prinzipiell nichts Verkehrtes, wenn sich man/frau "against the wind" positionieren - das macht unser Medium auch, obgleich aus ehrbareren Motiven. Bei Kronenberg und vor allen Dingen Adler ist die Sachlage indes eine andere, eine pur egoistische: Beide waren über DIE LINKE in das Gremium gewählt wurden. Seit sie "Kamenz/direkt" bilden, unterstützen sie Geist und Politik der bürgerlichen Parteien, die bis dahin keine Mehrheit besaßen. Warum wohl?

Da kommt wieder der Kreisgebiets-Horror ins Spiel. Norbert Adler als Geschäftsführer des hiesigen Kreis-Sport-Bundes (KSB) musste um seinen Job fürchten, zudemal am längeren Präsidenten-Hebel ein gewisser Torsten Pfuhl sitzt. Der Chef von Einheit Kamenz (und eines großen Dienstleisters der Region) freilich ist - trotz strammer NVA-Vergangenheit - strenger Parteigänger der Schwarzen. (Vorsicht: Wahlweise wird von der CDU auch Orange verwendet - nicht blenden lassen!). Es kann nicht anders sein, als dass es hinter den Kulissen eine Einflussnahme auf Adler gegeben hat, die ihm jetzt einen Arbeitsplatz an der Senf, pardon, an der Spree garantierte, sozusagen im "FaGaunaWidu"-Sport-Bund. Der Verrat seiner einstigen linken Ideale war jedenfalls komplett. Der von Kronenberg nicht minder. Und weil sich das Unions-Oktett nach dem (gefühlten) Massaker an der eigenen Kamenzer Bevölkerung im Rats-Saal kaum noch über den Jordan sprich an die Mikrophone wagte, spielten die beiden "Direktler" eine Art Märtyrer-Rolle, breschten bei jeder noch so winzigen Gelegenheit vor. Meistens jedoch mit elend viel Dümmlichem. Bei einer der jüngsten Zusammenkünfte monierte Kronenberg gar das Protokoll, wurde aber von Dantz und den übrigen Räten zurechtgestutzt.

Diesmal aber gingen beide "Deserteure" - peinlich, so kurz vor der Wahl - noch einen ungehobelteren Schritt weiter. Das kam so: Neulich wurden die Fördergelder des sogenannten Konjunktur-Pakets II zur Beantragung freigegeben. Und da die Euros aus dem Bundes-Haushalt ohne jegliche Ausnahme rein Zweck-gebunden für Infrastruktur und Bildung zu verwenden sind, wie SA-EX schon vor Längerem berichtete, fiel auch die Grundschule "Sophie Scholl" in Wiesa (westlicher Orts-Teil von Kamenz) unter die Projekte. Jetzt aber erschien ein Elternrats-Sprecher im Stadtrat (keine Namen, damit er nicht der CDU-Verfolgung ausgesetzt wird) und bat in der üblichen Fragestunde der Einwohner um Aufmerksamkeit: Es habe eine Beschwerde an das Kommunalamt in Bautzen gegeben, wonach die Bewilligung für Wiesa nochmal zu prüfen und möglichst zurückzuweisen sei. Absender des Schriftstückes: "Kamenz/direkt" mit den Autogrammen von Kronenberg und Adler! "Ich halte ein solches Vorgehen nach einem Stadtrats-Beschluss für eine böswillige Intrige", so der empörte Eltern-Vertreter. Oha! Antworten konnte ihm niemand, denn die Fagestunde ist immer ganz zu Beginn angesetzt, und da fehlten - wie bereits erwähnt - die beiden Helden von der "Wendehals-Stiftung" noch. Ganz bestimmt nicht zufällig.

Roland Dantz war nach seiner eigenen Rede so kulant, dem besorgten Bürger nochmals die Möglichkeit des Vortrags seines Anliegens einzuräumen. Ein sichtlich düpierter Norbert Adler: "Aber das war doch niemals eine Beschwerde. Steht in dem Schreiben etwas davon?" Nein: SA-EX liegt das ominöse Papier vor - da steht wirklich nix von "Beschwerde". Eine Schweinerei ist es trotzdem. Erst recht, wenn der verblüffte Journalist aus gut "unterrichteten" Kreisen erfährt, dass Stadträtin Steffi Kronenberg in die Entscheidungen um die Grundschule "Am Gickelsberg" involviert ist. Dort also sollen die Gelder hinfließen. Loyalitäts-Verlust? Mandats-Missbrauch? Der Leser möge selber entscheiden.

Was an Adler so katastrophal enttäuscht, ist sein völlig verändertes Vokabular, das den Großmacht-Ansprüchen Bautzens angepasst wurde und nichts mehr mit dem sympathischen Fußball-Enthusiasten gemein hat, als den wir ihn kennenlernen durften. Fast schon rechtsradikal, was der ehemalige Linke von sich gibt: In zwei Jahren gibt es sowieso eine "Umnutzung" der Wiesaer Unterrichts-Anstalt "zum Dorf-Gemeinschafts-Zentrum" - da müsse kein Geld hinfließen. So die Begründung des intriganten Schreibens, von dem es überhaupt verwundert, dass es aus den senfstädtischen Amts-Stuben in die Öffentlchkeit gelangte. Da weiß der Aufbau Deutschbaselitz-Freak jetzt schon mehr als jeder andere Lessingstädter. Und Schnur-stracks wird die nächste Idiotie der Kreise-Vernichtung offenbar: Wieder neue Schulentwicklungs-Pläne, wieder neue Schließungen (trotz wieder steigender Kinder-Zahlen!), wieder weitere und unsinnigere Schulwege ... Hallelujah, der Herr hat die menschliche Blödheit erfunden - wann nur schafft er sie wieder ab? Auch noch in anderem Kontext schoss Adler ungewöhnlich weit übers Ziel hinaus; da berieten die Stadträte (es gab am Mittwoch wirklich noch viele andere Tagesordnungs-Punkte, die wir aber aus Platzgründen hier nicht mehr abhandeln) über die offensichtlich gefährdete Zukunft des traditionellen "Blüten-Laufs" auf dem Hutberg. Auch ein Thema, dass den Sport-Experten tangiert, und der dann gleichmal - wie nebenbei - für die Abschaffung des Kamenzer Events plädiert, weil es ja in Biehla den vielgelobten "Frosch-Lauf" gäbe und es zwei solcher Lauf-Veranstaltungen nicht bedürfe. Wie das, wo doch Biehla zur Gemeinde Schönteichen gehört? Kein Problem für Adler: "Schönteichen wird sowieso demnächst von Kamenz einkassiert." Auch da weiß der Umtriebige schon jetzt mehr als der Rest der Nation. Und irgendwann sollte es mit dem Spuk der Eingemeindungen - die keinem Einwohner wirklichen Nutzen bringen - ein rasches Ende haben. Denn an dem Tag, an dem Bischheim oder Thonberg als Vorort von Görlitz angedacht sind, dürfen sich die Letzten der Tapferen bei Mahmud Ahmadinedschad ein "bombastisches" Spielzeug bestellen ...

Es ist traurig, wie sich dieser Norbert Adler verkrümmt und geistig verkrüppelt hat. Und obendrein noch feige geworden ist. Dantz hätte, anstatt den Propheten Jeremiah (wo holt er den nur her?) zu bemühen, beim heimlichen Hereinschleichen des Ex-Linken einen alten Stammtisch-"Joke" anbringen sollen, der da lautet: "Feigling, lass' mich hinter den Baum!" So etwas am Sonntag wählen? Gott, erbarme dich, denn sie sollten schon wissen, was sie beim Ankreuzen tun ... Dass es auch einen Abschied mit Würde gibt, bewiesen Dr. Krah und Freudenberg. Bei einem Streit zwar, aber einem intelligenten, konstruktiven. Es ging um den Erwerb eines neuen und ziemlich teuren Tanklösch-Fahrzeugs für die Orts-Feuerwehr Wiesa. Der ehemalige Facharzt für Urologie und eher gemäßigte Konservative zeigte sich in seiner, wie er es selber nannte, "letzten Anfrage" verwundert darüber, wieso keine Fördergelder beantragt wurden. Freudenberg, selber aktiver Brand-Bekämpfer in Uniform, begegnete diesem nicht unberechtigten Einwurf mit mühseligen Erläuterungen zu den fürwahr merkwürdigen Förder-Kriterien des Freistaates in Bezug auf die Knall-roten Gefährte. Am Ende der Debatte hatte es einen Konsens gegeben, und der scheidende SPD-Genosse bat um ein Schluss-Plädoyer, worin er Bürgermeister und eventuelle künftige Stadträte darum bat, bei Euro-Fragen bezüglich von Rettungs-Diensten wie eben der Feuerwehr nicht so knausrig wie bislang zu sein - die Technik ist nun einmal sündhaft teuer, aber sie wird halt gebraucht. Dringlicher als jede Territorial-Verschiebung.

Ein schöner Abgang inmitten etlicher Stadträte, die keine Wiederwahl verdient hätten. Man darf auf den Sonntag wirklich sehr, sehr gespannt sein. CDU-Frontmann Torsten Pfuhl saß im Publikum, weil es in weiteren Punkten u.a. um die Jahres-Abschlüsse von Gesellschaften wie der KVEG, KDK und SWG ging. Aber irgendwie wirkte seine Anwesenheit wie eine Drohung. Etwa derart, dass seine Partei-Freunde zwar (mittlerweile) unterste Schublade, aber halt doch irgendwie in die Macht zu putschen sind. Pfuhl ist das personifizierte Dilemma der Sachsen-CDU: Macht-Fülle, die zu Macht-Missbrauch verleitet. So etwas kann der Wähler bei gesundem Verstand nicht dulden. Roland Dantz betonte in seiner feierlichen Ansprache, dass in den zurückliegenden fünf Jahren "die Suche nach Gemeinsamkeiten, nicht das Bekämpfen von Meinungen" im Vordergrund der Stadtrats-Arbeit gestanden hätten, die bei einer Dauer von 282 Stunden rund 600 Beschlüsse hervorbrachte. Mit Verlaub: Sehr viel an Gemeinsamkeit war am Ende dieser Legislatur-Periode nicht mehr zu verspüren. Vielleicht war es das, was Roland Dantz mit seinem extrem schwer verständlichen Ausspruch meinte, der da vom Fluss handelte, den man nicht zweimal besteigt, wenn's der Selbe ist ...


Spielte auf der letzten Zusammenkunft des alten Stadt-Parlaments eine nicht unwesentliche Rolle: Die Grundschule des Kamenzer Orts-Teils Wiesa. Vermutlich fällt sie dem nächsten Wahn der völlig aus den Fugen geratenen "FaGaunaWidu"-Politik zum Opfer. Der Wähler sollte endlich die wahren christdemokratischen Urheber dieses ausufernden Schwachsinns abwatschen. Ohne Wenn und Aber! (Fotos dieser Seite: SACHSEN-EXPRESS/F.H.)













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